Piratenwachtürme leuchten in alten Glanz


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Piratenleuchtturm Mallorca Wachtürme

Von unserer Vorliebe für Ausflüge zu den Wachtürmen habe ich bereits im letzten Jahr berichtet. Lange Zeit leuchtete das Küstenkommunikationssystem nicht mehr. Schlimmer noch: Die Piratenwachtürme verfielen. Von ehemals 60 Türmen Insel weit sind nur 26 so gut erhalten, dass sich eine Restauration lohnen würde. Dabei sind sie ein Teil der mallorquinischen Identität

Vom 16. bis 19. Jahrhundert lebten die Menschen an der gesamten Mittelmeerküste äußerst unsicher. Korsaren, Plünderer und Piraten suchten die Küstengebiete heim, belagerten Ortschaften und verschleppten Menschen in die Sklaverei. Die instabile Situation hat sich so in die Mentalität der Mallorquiner eingeprägt, dass selbst heute noch Redewendungen aus der Zeit existieren.

Ara que no hi ha moras a la costa.

Übersetzt heißt das: Jetzt wo die Mauren nicht mehr vor der Küste liegen, die Luft also rein ist und man keine bösen Überraschungen zu erwarten hat. Auch Dorffeste mit der Thematik „Mauren gegen Christen“ zeigen, wie tief das Erlebte noch im Bewusstsein der Mallorquiner sitzt.

Talaies de Mallorca. Die Piratenwachtürme

Die Wachtürme änderten die Situation jedoch komplett. Entworfen und durchdacht von Joan Binimelis, unter anderem Mathematiker. Er berechnete in welchen Abstand die Türme stehen mussten, damit das Lichtsignal den nächsten Turm erreichen konnte. Die Piratenwachtürme Mallorcas sind demnach ein Paradebeispiel angewandter Mathematik. Die meisten der Wachtürme befanden sich an der Küste. Es gab aber auch einige Festungsanlagen im Inneren der Insel. Zum Beispiel das Castell de Alaró.

Piratenwachtürme leuchten wieder

Früher galt es das Lichtzeichen schnell nach Palma, zur Residenz des Königs oder Stadthalters zu senden, damit von dort Unterstützung ausrücken konnte. Und auch heute funktioniert das noch. Die Leuchtzeichen des 21. Jahrhundert wurden von Palma aus in beide Richtungen entsendet. In weniger als einer halben Stunde umrundeten sie die Insel einmal komplett. Am Abend wiederholte man das ganze noch einmal mit Feuer. Denn genau so funktionierte das Warnsystem auch damals: Am Tag mit Rauch. In der Nacht mit Feuer.

Wachtürme für Menschenrechte

Ganz ohne Grund lief die Aktion natürlich nicht. Zum einen ehrte man damit Binimelis, dem Genie hinter dem System. Seit Tod jährte sich 2016 zum 400. Mal. Zum anderen wollten die Organisatoren auf den miserablen Zustand der meisten Türme und somit des mallorquinischen Erbes aufmerksam machen.

Aber die Aktion soll nicht nur auf die Vergangenheit blicken, sondern auch ein Lichtpunkt im Mittelmeer markieren. Es soll an Menschen erinnern, die auf ihrer Flucht von Krieg und Gewalt im Mittelmeer ihr Leben verloren haben. Hier ein Auszug aus dem Manifest, frei aus dem Katalanischen übersetzt:

In der Zeit des Internets, in der Geschwindigkeit oft nur in „Megas“ gemessen wird, ist das Kommunikationssystem der alten Wachtürme Mallorcas mehr als überholt. Doch in seiner Zeit, rettete ein jeder dieser Türme Menschenleben vor den Gefahren, die im Mittelmeer lauerten. Die Gefahren früher waren die Piraten. Die Gefahren von heute sind subtiler und sollten uns Menschen beschämen.
[…]
[Die Aktion] soll denen eine Stimme geben, die sie auf der Suche nach einem besseren Leben ihr Leben verloren haben. Die Türme sollen aber auch ein Licht für alle sein, die immer noch auf der Suche sind.

Piratenwachtürme leuchten wieder

Daten und Türme 2020

Die alten Piratenwachtürme werden das nächste Mal am 11. Januar 2020 in altem Glanz erstrahlen. Mittags um 13.00 Uhr wird ein Rauchzeichen um die Insel gesendet. Abends 18.15 Uhr wird ein Leuchtfeuer um die Insel geschickt. Teilnehmen werden unter anderem folgende Wehranlagen:

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