Piratenfest in Sóller: Moros y Cristianos

Mallorca war nicht immer der idyllische Ort, der er heute ist. Vor allem im 16. Jahrhundert hatte man es sehr schwer als Einwohner der Sonneninsel. Immer wieder griffen nordafrikanische und türkische Korsaren an, plünderten und verschleppten Menschen in die Sklaverei. Weshalb in Sóller auch heute noch regelmäßig die türkische Flagge zu sehen ist. Denn jedes Jahr findet im Mai das Piratenfest in Sóller statt.

Piratenfest in Sóller

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Die Piratenangriffe von damals wurden ein Teil der mallorquinischen Identität. Ein Zeugnis dieser bewegten Zeit ist die Firó de Sóller, die jedes Jahr im Mai stattfindet. Bei diesem Fest wird die Schlacht der „Mauren gegen Christen“ szenisch nachgestellt. Ein Erlebnis für die ganze Familie. Das Piratenfest (Firó) findet an einem Tag statt. Startschuss für die Festwoche ist aber bereits am Wochenende vorher. Bei Sa Fira finden hauptsächlich kulturelle Veranstaltungen, Musikevents und ein Straßenmarkt statt. Auch speziell viele Aktivitäten für die Kinder werden angeboten.

Es Firó: Auf den Spuren der Piraten

Die 22 Galeeren starke Flotte der Korsaren erreichte die Küste Mallorcas am 11. Mai 1561 nicht unbemerkt. Sóller als Ziel der Attacke war gewarnt worden, die Wachposten auf den Wehrtürmen in Alarmbereitschaft. Doch trotz aller Vorsorge begann das, was die erfolgreichste Schlacht gegen die Piraterie werden sollte, in einem wilden Durcheinander.

Ungefähr 1600 Piraten konnten im Hafen von Sóller unbemerkt an Land gehen. Als der Ernst der Lage endlich erkannt wurde, hatten sich die Angreifer bereits in zwei Gruppen geteilt. Die eine lieferte sich eine blutige Schlacht am Strand mit dem mallorquinischen Widerstand, bestehend aus Milizen der benachbarten Ortschaften. Die andere Gruppe bewegte sich auf Schleichwegen, die nur ein Ortskundiger verraten haben konnte, nach Sóller, um dort zu plündern und Gefangene zu nehmen.

Mauren gegen Christen

Die Geschehnisse von damals haben sich tief im kollektiven Gedächtnis Mallorcas verankert. Jedes Jahr am Montag nach dem zweiten Sonntag im Mai (2024 ist das der 13. Mai) wird die wohl wichtigste Schlacht der Mauren gegen die Christen in einem einmaligen Piratenfest in Sóller über mehrere Stunden nachgestellt. Alle Einwohner Sóllers kämpfen an diesem Tag. Einige als türkische Eindringlinge. Andere als christliche Bauern. Obwohl speziell bei den kleineren Teilnehmern die Rollen der Piraten begehrter sind als die der einfachen, dafür siegreichen Bauern.

Die Feier startet mit dem Glockenläuten um 3.00 Uhr nachmittags in der Stadt Sóller. Bereits Mittags werden die Hauptstraßen für den Verkehr gesperrt. Der Sieg über die Piraten wird abends um neun vom Balkon des Rathauses aus erklärt. Dazwischen stellen die Bewohner des Ortes an verschiedenen Schauplätzen zwischen Port de Sóller und der Stadt die Geschehnisse von damals nach.

Unter anderem auch die der beiden Schwestern Casesnoves, die als Ses Valentes Dones, die mutigen Frauen, in die Geschichte eingingen. Sie töteten einen Piraten, der auf dem Rückweg zum Hafen in ihr Haus eindrang und warfen ihn aus dem Fenster. Überrascht von der Heftigkeit, flohen die restlichen Eindringlinge. Sie stehen als Symbol für den Widerstand der Frauen.

Tipps für Familien für das Piratenfest in Sóller

Die Firó de Sóller richtet sich an alle Altersgruppen. Als eines der beliebtesten Feste Mallorcas freut es sich besonders bei Piraten-begeisterten Kinder großer Beliebtheit. Eltern sollten jedoch bedenken, dass es sehr voll und laut werden kann und leicht ängstliche Kinder sich mitunter erschrecken. Es werden sehr viele Knaller geworfen, nicht wenige davon auch direkt in Menschenmassen. Es ist sehr viel Polizei vor Ort, dennoch solltet ihr darauf achten, stark betrunkenen Menschen und wild ballernden Kindern nicht zu nahezukommen.

Wichtig sind an diesem Tag bequeme Schuhe und Kleidung, die dreckig werden darf. Denn auch als Zuschauer wird man in die Handlungen mit einbezogen. Im speziellen Frauen werden oft von den Piraten mit schwarzer Farbe bemalt, symbolisch für die vielen versuchten Vergewaltigungen während der Schlacht.

Am günstigsten ist es, den beiden Schlachten am Strand von Port de Sóller beizuwohnen. Dort habt ihr noch am ehesten die Möglichkeit, dem größten Rummel auszuweichen. Die letzten Jahre wurde die Innenstadt Sóllers gesperrt und man konnte nur mit einem Armband an den Kämpfen am Abend teilnehmen. Die Bänder werden auf dem Rathaus verteilt.

Die Straße nach Port de Sóller ist ebenfalls zeitweise gesperrt. Wenn ihr früh genug kommt, könnt ihr am Ortsausgang Sóller noch Parkplätze finden. Die Entfernung ist überschaubar und ihr könnt jederzeit wieder wegfahren, ohne auf die Öffnung der Straßen warten zu müssen.

Die Straßenbahn transportiert in der Zeit vor den Schlachten vor allem Bauern zum Strand. Rund um die Schlacht verkehrt sie gar nicht. Achtet also auf die geänderten Fahrzeiten, falls ihr vorhabt, die Tram zu nutzen.

Sa Fira: Musik, Kultur & Markt

Rund um das Herzstück, der Schlacht gegen die Piraten, finden Ende April bis Mitte Mai zahlreiche weitere Veranstaltungen statt. Mit dabei viele Aktivitäten für Kinder und ein Markt am Wochenende vor dem Spektakel. Ihr merkt, dass die Feste näher rücken, wenn in allen Straßen Flaggen mit dem Halbmond zu finden sind. Genauso viele weiße Fahnen mit roten Kreuzen sind zu sehen. Wirklich jeder tritt einem Lager bei.

Das komplette Programm für alle Veranstaltungen der Fira 2024 findet ihr hier.

Es Firó 2024: Das Piratenfest

2024 findet der Kampf der Mauren gegen die Christen (Moros y Cristianos) am 13. Mai statt.

15.00 Uhr: Die Glocken in Sóller läuten, um die Anwohner Sóllers vor den nahenden Feinden zu warnen. Die Bauern begeben sich zum Plaça dels Estiradors, um von dort in den Kampf zu ziehen.

15.30 Uhr auf dem Plaça dels Estiradors betet der Anführer Capità Angelats um den Sieg bei der Heiligen Muttergottes und feuert die Bauern an. Es gesellen sich Banditen aus den Bergen dazu, die bei der Verteidigung helfen werden.

17.00 Uhr am Strand von Can Generós in Port de Sóller. Die Piratentruppen versuchen an Land zu gehen, werden aber in einem harten Kampf daran gehindert.

18.15 Uhr am Strand Platja d’en Repic. Die Sarazenen versuchen erneut an Land zu gehen und schaffen es diesmal. Die Sollerics ziehen sich zurück.

19.15 Uhr Pont d’en Barona, Sóller. Die Bauern stellen sich erneut den Angreifern und es kommt zu einem erbitterten Kampf.

20.30 Uhr Plaça dels Estiradors. Eine zweite Gruppe Piraten, die an anderer Stelle an Land gegangen ist, kommen beginnen die Häuser und die Kirche zu plündern.

20.50 Uhr. Der Anführer der Piraten, Ulutx Ali, sieht sich als Sieger, nimmt das Rathaus in Beschlag, hisst dort seine Flagge und erklärt den Sieg.

21.00 Uhr. Die Bauern, die von der Schlacht am Strand zurückkommen, formieren sich unter Capità Angelat neu und kämpfen weiter.

21.30 Uhr. Capità Angelats erklärt den Sieg. Die Balanguera, die mallorquinische Hymne, wird gesungen. Die Figur der Muttergottes wird zurück in die Kirche getragen, begleitet von allen historischen Figuren.

Kurzinfo

Eintritt: Frei. Für das Kampfgeschehen in Sóller’s Innenstadt benötigt man ein blaues Armband, das so lange der Vorrat reicht, auf dem Rathaus erhältlich ist.

Kleidung: Bequem und alt. Es wird dreckig. Verkleidungen, speziell als Piraten, tarnen euch und lassen euch nicht sofort als Touristen erkennen.

Start: 15.00 Uhr in Sóller. Die Kirchenglocken schlagen Alarm. Die als Bauern verkleideten Sollerics machen sich auf den Weg nach Port de Sóller. Dort kämpfen sie am Strand. Später ziehen sich die Teilnehmer nach Sóller zurück, wo 21.00 Uhr endlich der Sieg verkündet wird.

Straßenbahn: Fährt an diesem Tag nicht.

Komplettes Programm: Hier als PDF.

 

Kurze Geschichte der Piraten auf Mallorca

Während des Mittelalters und der Frühen Neuzeit waren die Gewässer rund um Mallorca ein gefährliches Terrain, das von Piraten heimgesucht wurde. Im 16. und 17. Jahrhundert erreichte die Piraterie im Mittelmeerraum ihren Höhepunkt, und Mallorca wurde zu einem Hotspot für Seeräuberaktivitäten. Piraten, darunter berüchtigte Namen wie Barbarossa aus dem Osmanischen Reich, griffen Schiffe an, plünderten Küstensiedlungen und entführten Einwohner als Sklaven.

Um sich vor den ständigen Bedrohungen zu schützen, errichtete die Bevölkerung von Mallorca zahlreiche Verteidigungsanlagen entlang der Küste, darunter Festungen und Wachtürme. Diese dienten nicht nur als Schutz vor Piraten, sondern auch als Warnsystem, um die Bewohner vor bevorstehenden Angriffen zu alarmieren.

Die Repressalien gegen die Piraten wurden intensiviert, als verschiedene Seemächte, darunter Spanien, Italien und die Republik Venedig, gemeinsame Anstrengungen unternahmen, um die Gewässer von Piraten zu befreien. Die Seeschlachten und Auseinandersetzungen zwischen Piraten und den Flotten dieser Mächte prägten die Geschichte der Region.

Weitere Piratenausflüge auf Mallorca

Die Piraten haben Mallorca zum Glück schon vor langer Zeit verlassen. Geblienen sind die charakteristischen Piratentürme. Auf Ausflügen könnt ihr diese Wachtürme erkunden. Beispielsweise den Torre Picada in Sóller, Torre Pedrissa in Cala Deià und Torre Cap Vermell in Canyamel. Einige der Türme sind so gut erhalten, dass man auf ihnen hinauf klettern kann. Andere sind aus Sicherheitsgründen gesperrt. 

Aber auch Piratenhöhlen, wie die Cueva des Coloms, sind spannende Ausflugsziele. Einige dieser Höhlen können auf organisierten Touren erkundet werden, bei denen die Teilnehmer mit Helmen und Neoprenanzügen ausgestattet werden. Andere, wie die Schmugglerhöhle Sa Cova Tancada können auf eigene Faust erkundet werden.

Für Kinder gibt es thematische Piratenausflüge, bei denen sie sich als Piraten verkleiden und auf Schatzsuche gehen können. Diese Ausflüge bieten nicht nur Unterhaltung für die Kleinen, sondern auch Gelegenheit für die Eltern, andere Sehenswürdigkeiten zu besuchen oder am Strand zu entspannen. Bei dem oben verlinkten Ausflug kommt besucht ihr außerdem noch eine Ranch, wo ihr reiten könnt. Und einen Piratenschatz am Strand gibt es außerdem noch.

Einmal im Jahr im Januar werden die Piratentürme zudem wieder genutzt. Je einmal am Mittag und am Abend wird ein Leucht- und Feuerzeichen um die Insel geschickt. Mittlerweile beteiligen sich auch andere Inseln und Länder im Mittelmeer. Als gemeinsames Zeichen.

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Ich bin Damaris

Mein Name ist Damaris, zweifache Mutter und lebe seit 2005 auf Mallorca. Ursprünglich wollte ich nie auf die Insel. Mehr lesen

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