Sa Cova Tancada: Für mutige Höhlenforscher

Dieser Ausflugstipp ist nicht für alle. Nur für die härtesten. Die härtesten Eltern. Sa Cova Tancada ist eine unerschlossene Höhle auf der Victoria-Halbinsel bei Alcúdia und der Ausflug dort hin ein Abenteuer für die ganze Familie.

Piratenhöhle Cova Tancada bei Alcúdia

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Auf den Recherchetouren zu unserem Buch sind wir mit vielen Einheimischen in Kontakt gekommen, die uns, nachdem wir von unserem Projekt berichtet hatten, Empfehlungen gaben. Sa Cova Tancada war eine davon. “Absolut toll für Kinder”, “abenteuerlich” und etwas “ganz besonderes”. Alles davon stimmt. Und dennoch: es war anders, als wir uns das vorgestellt hatten. Nämlich ganz schön herausfordernd.

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Sa Cova Tancada: Schmuggler & Piratenhöhle

Es gibt auf der Insel zahlreiche Tropfsteinformationen in allen Größen und Formen. Insgesamt fünf Höhlen auf Mallorca sind touristisch erschlossen. Die Sa Cova Tancada (katalanisch: die geschlossene Höhle) gehört nicht dazu. Sie ist eine von vielen Höhlen im Küstenbereich, die früher von Piraten und später von Schmugglern genutzt wurden. Deshalb ist sie auch nicht komplett unerschlossen. Der Höhleneingang am Wasser wurde von Menschenhand vergrößert. Im Eingangsbereich wurden Stufen in den Fels geschlagen und es gibt eine Art Tränke oder Becken, in dem sich das Wasser sammelt.

Die meisten Höhlen auf Mallorca sind durch den langen Prozess der Karstbildung entstanden. Das bedeutet, dass das kalkhaltige Gestein durch Wassererosion gelöst wurde, was nicht nur beeindruckenden Höhlen, sondern auch Schluchten wie den Torrent de Pareis und unterirdischen Formationen hat entstehen lassen.

Der Hauptakteur in diesem natürlichen Schauspiel ist Regenwasser. Wenn dieses Wasser durch die Ritzen im Kalkstein dringt oder auch nur durch den Stein gefiltert wird, löst es das Gestein allmählich auf. Im Laufe von vielen Jahren entstehen so unterirdische Hohlräume, die schließlich zu den Höhlen werden, wie die, die wir uns hier anschauen wollen.

Die Tropfsteinformationen in den Höhlen sind ein weiteres Produkt dieses Prozesses. Wenn Wasser durch die Decke der Höhle sickert und dabei Calciumcarbonat mit sich führt, entstehen Stalaktiten von oben nach unten. Gleichzeitig bilden sich am Höhlenboden Stalagmiten.

Was es nicht gibt, ist Licht, und das ist sehr wichtig, denn ohne sieht man die Tropfsteine nicht. Falls ihr euch auf das Abenteuer einlasst, braucht ihr also gute Taschenlampen. Vertraut nicht auf die Taschenlampe in eurem Smartphone. Damit könnt ihr vielleicht sehen, wo ihr die Füße hinsetzt, aber nicht das große Ganze. Etwas Orientierungssinn wäre auch nicht schlecht. Die Höhle ist durchaus so groß und tief, dass ihr euch darin verlaufen könntet. Um dem vorzubeugen, wurden einige Karstformationen mit Buchstaben und Zahlen markiert. Merkt euch diese Punkte.

Außerdem noch folgende Sicherheitshinweise: Geht auf keinen Fall allein. Mindestens zwei Erwachsene sollten teilnehmen und sagt irgendjemanden Bescheid, wo ihr hinwollt. Nehmt unbedingt gute und mehr als eine Taschenlampe mit. Handylampen sind nicht ausreichend. Wanderschuhe sind nicht unbedingt erforderlich, allerdings sollten die Schuhe rutschfest sein.

Wegbeschreibung zur Sa Cova Tancada

Wir starten diesen kurzen, aber abenteuerlichen Ausflug ein wenig unterhalb des Parkplatzes, der zu der Wanderhütte und dem Strand Coll Baix, einem der schönsten Naturstrände auf Mallorca, gehört. Der Weg ist nicht ausgeschildert. Ihr könnt entweder am Strandparkplatz parken und ein Stück zurücklaufen oder auf Höhe des Abzweiges des Wanderweges zur Ermita de la Victoría das Auto am Wegesrand parken.

Der Ausgangspunkt

Nur wenig nördlich (ungefähr hier) dieses Abzweiges geht nach rechts ein etwas breiterer Waldweg ab, der mit einer Eisenkette für Fahrzeuge gesperrt ist und sich in Serpentinen den schwarzen Berg (Puig Negre) hinauf windet. Es gibt einen einzigen Abzweig.

Sa Cova Tancada

Der breite Pfad führt auf den Berggipfel – da wollen wir nicht hin. Ein kleinerer, unscheinbarer geht nach links ab. Das ist unser Weg. Nachdem es noch eine Weile auf einem etwas verwachsenen Pfad entlang geht, gelangt ihr auf eine offenere Fläche. Hier blickt ihr aufs Meer und müsst links von euch rot markierte Steine suchen.

Der Abstieg

Nun beginnt der spannende Abstieg. Zunächst zwar unwegsam, aber immer noch relativ sicher. Erst zum Ende hin direkt über dem Meer erreicht ihr drei Stellen, bei denen vollste Konzentration gefordert ist. Wichtig ist auch immer vorausschauend zu wandern. Es ist sehr eng und nicht selten hatten wir Gegenverkehr.

Die erste schwierige Stelle ist eine natürliche Steintreppe. Wahrscheinlich der steilste Abschnitt des Weges. Unbedingt auf Trittsicherheit achten. Schwindelfrei solltet ihr auch sein. Der zweite kniffelige Punkt folgt kurz darauf. Hier müsst ihr am besten auf dem Allerwertesten einen glatten Felsen hinabrutschen. Als Hilfsmittel befindet sich am Stein eine Eisenkette, die zwar verrostet, aber durchaus stabil ist. Nutzt sie!

Sa Cova Tancada

Jetzt geht es direkt am Meer noch ein Stück nach links auf einem Felsvorsprung entlang. Gegenverkehr wäre hier jetzt sehr ungünstig. Haltet euch am Felsen fest. Ihr gelangt nun zum letzten Hindernis, einem großen Felsbrocken. Wir sind zwischen dem Felsen und der Felswand hindurchgeklettert, was wohl aber falsch war. Beziehungsweise schwierig. Alle anderen Leute, die wir getroffen haben, sind rechts am Stein vorbei, was einfacher ist, dafür das Meer aber auch noch einmal ein Stück näher bringt.

Einmal auf der anderen Seite seht ihr vor euch den Höhleneingang. Kurz Luft holen, Taschenlampen auspacken und hinein in die Höhle. Aber verlauft euch bitte nicht. Zurück geht es auf dem gleichen Weg. Für ein Picknick empfehlen wir euch die offene Fläche am Ab-/Aufstieg. Alternativ könnt ihr euch bei wenig Besucheraufkommen auch am Höhleneingang niederlassen. Es gibt auch Leute, die hier ins Wasser springen. Davon würden wir jedoch absehen. Ins Wasser kommt man sicher. Ob man es wieder herausschafft, ist eine andere Sache.

Schätzt eure Kondition realistisch ein

Bevor es richtig losgeht: Bitte informiert euch genau, vielleicht auch noch an anderen Stellen. Jede Familie, jedes Kind ist anderes. Der Abstieg zur Höhle ist nicht ungefährlich!

Unser jüngster war, als wir die Tour unternommen haben, sechs Jahre jung. Er ist fit wie ein Turnschuh und seinem Alter schon immer weit voraus. Für ihn war das ganze ein abwechslungsreicher Spaziergang. Der größere der beiden ist auch sportlich, aber ängstlicher. Ihm ging das letzte Stück vor allem psychisch sehr nah. Mein Mann meint, so schwierig sei es nicht gewesen. Er habe in seiner Jugend viel gefährlichere Sachen gemacht. Ich selber fand es sehr anspruchsvoll. Nicht unbedingt für mich selbst. Aber mit den Kindern und der Verantwortung, die ich für sie trage.

Prinzipiell lässt sich zusammenfassend sagen: Die Mallorquiner finden den kurzen Ausflug zur Cova Tancada durchaus angemessen für Kinder. Deutsche sind vorsichtiger und zögern eher. Wichtig ist, dass ihr eure Grenzen kennt, eure Fähigkeiten realistisch einschätzen könnt und bereit seid euch auf ein kleines Abenteuer einzulassen.

Auf den Geschmack gekommen? Ausflug zu einer unterirdischen Höhle mit See zum Schwimmen.

Video

Kurz & Knapp

Exkurs: Piraten auf Mallorca

Piraten auf Mallorca haben eine lange Geschichte, die bis ins Mittelalter zurückreicht. Die Insel war aufgrund ihrer strategischen Lage im Mittelmeer ein attraktives Ziel für Piratenangriffe. Im 16. und 17. Jahrhundert erreichten die Angriffe von nordafrikanischen Piraten ihren Höhepunkt. Diese Piraten stammten hauptsächlich aus den Küstenregionen von Algerien, Tunesien und Marokko und waren als Korsaren im Dienste verschiedener Regenten unterwegs.

Die mallorquinische Bevölkerung lebte in dieser Zeit sehr gefährlich. Besonders Arbeiten am und auf dem Meer waren prenzlig. Nicht wenige Menschen wurden zu der Zeit verschleppt und endeten als Sklaven in Nordafrika. Die Lage wurde so untragbar, dass die spanische Krone einen Baumeister mit der Errichtung einer Küstenwachanlage beauftragte.

Diese Befestungsanlagen wurden in Form von Türmen an der gesamten Küste entlang errichtet, die immer in Sichtweite standen und die Insel einmal umspannten. Die Türme hatten nur einen Eingang und der befand sich oben am Turm und war nur über eine Leiter erreichbar. Unter den Türmen gab es Zisternen, damit die Soldaten, die in den Anlagen wachten, auch Belagerungen standhalten konnten.

Im Falle eines Angriffes wurde bei Tag ein Rauchfeuer, in der Nacht ein Leuchtfeuer entzündet. Dieses Signal konnte der Nächstgelegene Turm sehen und ebenfalls als Feuer weiter geben. Auf diese Weise wurde die Küstenwache alarmiert, aber auch die nähere Bevölkerung gewarnt, die dadurch Zeit hatten sich in Sicherheut zu bringen.

Der berühmteste Pirat, der Mallorca attackierte, war Khair ad Din, auch bekannt als Barbarossa, der im Dienste des Osmanischen Reiches stand. Die einschneidenste Schlacht fand in Sóller statt, wo sich die Bevölkerung nach anfänglichen Schwierigkeiten erfolgreich zur Wehr setzte. Dieses Erreignis war einschneident in der mallorquinischen Geschichte, dass es jährlich in Form eines Piratenfestes in Sóller nachgestellt wird.

Mit der Zeit verlagerte sich die Bedrohung durch Piraten, und im 18. Jahrhundert wurden europäische Seemächte, insbesondere die Engländer, für ihre Überfälle auf mallorquinische Städte verantwortlich. Nach zahlreichen Abwehrmaßnahmen und dem Bau von Verteidigungsanlagen nahmen die Piratenangriffe auf Mallorca ab.

Heutzutage sind Piraten auf Mallorca keine Bedrohung mehr. Die Geschichte der Piraten hat jedoch ihre Spuren auf der Insel hinterlassen, und viele der alten Verteidigungsanlagen sind noch immer erhalten und können besichtigt werden. Und auch mehr als nur eine Höhle, die den Freibeutern früher als Unterschlupf diente.

Zum Weiterlesen

Weitere spannende Ausflüge findet ihr auf unseren den Seiten zum Wandern mit Kindern und der Ideensammlung mit mehr als 100 Ausflugsideen für Mallorca.

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Ich bin Damaris

Mein Name ist Damaris, zweifache Mutter und lebe seit 2005 auf Mallorca. Ursprünglich wollte ich nie auf die Insel. Mehr lesen

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