Auf schmalen Pfaden zu alten Wehranlagen


Die Kanone auf dem Berg

Die Halbinsel hinter Alcúdia ist in Reiseführern viel weniger vertreten, als das allseits bekannte Cap de Formentor, das unmittelbar daneben liegt. Dabei war die Halbinsel Victoria zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert strategisch fast wichtiger bei der Verteidigung dieses Teiles der Insel. Viele wissen von der Talaia d’Alcúdia, den Resten eines Wachturms, die sich auf der höchsten Erhebung der Halbinsel befinden. Weitaus unbekannter ist die Verteidigungsanlage in unmittelbarer Nachbarschaft. Und selbst wenn sie bekannt ist, scheuen sich viele die relativ kurze Wanderung auf sich zu nehmen, weil im Internet als „schwierig“ und „nicht kindgerecht“ tituliert wird. Wir und viele Mallorquiner finden jedoch: Soviel Abenteuer und Geschichte auf so kurzer Strecke gibt es nur an wenigen Stellen auf der Insel. Aber seht selbst.

Der Wehrturm als Felsdurchlass

Der alte Wachturm, der regelrecht am Fels klebt und den Durchlass zur Verteidigungsgarnison markiert, ist das unbestrittenen Highlight unserer Kinder auf dieser Tour. Und zweifelsfrei auch die schwierigste Stelle der Wanderung. Denn zwischen Pfad und Abgrund liegt nur ein falscher Schritt. Und das war damals auch genau die Absicht.

Im 17. Jahrhundert wüteten Piraten vor der Küste Mallorcas. Ein Abwehrsystem wurde gebaut, zu dem auch diese Garnison mit einer Kanonenbatterie auf dem Berg gehörte. Niemand gelangte zur Verteidigungsanlage, ohne diese knifflige Stelle am Turm in schwindelerregender Höhe zu passieren. Und da haben wir es heute relativ leicht. Immerhin wird auf uns nicht aus dem Turm heraus geschossen.

Als Aussichtspunkt war das Areal bereits vorher bekannt, ebenfalls als Versteck für solche, die auf der Flucht vor dem Gesetz waren. 1614 begann der Transport der Kanone – erst 1630 kam sie auf dem Berg an. Historische Unterlagen lassen vermuten, dass die Garnison 1794 verlassen wurde.

Die Kanone auf dem Berg

Hinter dem Turm wird es dann wieder entspannter. Wir erreichen die Reste der Gebäude, in denen die Wachleute lebten. Auch die Zisterne und der Kanonenofen ist noch erhalten. Unter der Ruine sehen wir das Cap Pinar, auch heute noch militärisches Sperrgebiet. An klaren Tagen reicht der Blick von hier bis nach Menorca.

Die Kanone auf dem Berg
Die Kanone auf dem Berg

Theoretisch kann die Wanderung hier enden, denn spektakulär ist das bereits alles schon. Aber es geht noch etwas mehr. Oberhalb der Baracken steht auf dem Sockel eines Wehrturms eine alte Kanone. Wie sie dorthin kam, ist auf den ersten Blick ein rätsel. Einen Weg gibt es keinen, es muss über Steine und Felsen gekraxelt werden, manchmal auf allen vieren.

Das Hinauftragen der Artillerie war äußerst mühsam und dauerte mehrere Jahre. Deswegen verzichtete man beim Abzug der Truppen auch darauf, die Kanone wieder ins Tal zu bringen. Und da sie dort oben niemanden stört, steht sie 400 Jahre später immer noch an der gleichen Stelle.

Schwierigkeit: Zu steil, zu schmal

Die Bestimmung der Altersgruppe für diese Wanderung war die schwierigste Aufgabe. Wir sind die Tour mit unserem Fünfjährigen gelaufen. Allerdings ist der kein Maßstab. Jedes Kind ist anders. Wir wissen, dass er sich auf Ausflügen wie diesen an unsere Vorgaben hält und nicht vom Weg in die Tiefe springt.

Die Wanderstrecke ist die meiste Zeit sehr einfach. Aber sehr schmal und mit sehr steilen Abgründen. Es gibt kein Geländer oder eine anderweitige Sicherung, die einen Sturz abfedern würde. Allerdings ist der Pfad selbst nicht steil, es geht in sanften Auf und Ab am Hang entlang. Es gibt also keinen offensichtlichen Grund, vom Weg abzukommen.

Die Kanone auf dem Berg
Die Kanone auf dem Berg

Mallorquiner gehen die Tour gerne und oft mit Kindern im Schulalter. Es ist also durchaus machbar. Letzten Endes seid ihr diejenigen, die die Entscheidung treffen müssen. Und ihr seid auch die, die eure Kinder am besten kennt.

Video

Kurz & Knapp

Streckendetails: 4 km – 313 Höhenmeter – Gehzeit 2 Stunden – ab 8 Jahren

Highlights: Alter Wachturm, der den Durchgang durch das steile Felsmassiv markiert. Wehrgebäude und Kanonenöfen. Die Kanone auf dem Gipfel.

Einkehr: Am Parkplatz befindet sich ein Restaurant mit Spielplatz, in dem mallorquinische Hausmannskost serviert wird. Am Strand S’Illot gibt es eine Strandbar mit guter Aussicht.

In der Nähe: Strand S’Illot mit kleiner Insel und Höhle zum Erkunden.

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