Piraten auf Mallorca: Piratenhöhlen & Wachtürme

Die runden Steintürme, sogenannten Torres (spanisch) oder Talaies (Mallorquin), sind die typischen Wachtürme auf Mallorca, die vor allem im Mittelalter zur Verteidigung dienten. Sie befinden sich vorrangig an der Küste und dienten zur Abwehr der Piraten auf Mallorca. Obwohl diese Piraten schon lange nicht mehr auf der Insel Chaos stiften, ist ihre Präsenz noch deutlich spürbar. Auch in einigen der vielen Piratenhöhlen auf Mallorca, die zum Teil auf Ausflügen ereicht werden können

Piraten auf Mallorca: Wehrtürme

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Die Furcht vor Piraten hat sich bei den Mallorquinern tief ins kollektive Gedächtnis eingegraben. Und damit auch eine gewisse Skepsis vor Fremden. Besonders im 16. und 17. Jahrhundert überfielen und plünderten nordafrikanische Korsaren die Küstenstädte und verschleppten zahlreiche Menschen in die Sklaverei. Die wichtigste Schlacht gegen die Piraten wird jedes Jahr szenisch nachgestellt. Viele Höhlen stehen im Ruf, früher von Piraten genutzt worden zu sein. Und dann sind natürlich noch die zahlreichen Wachtürme auf Mallorca, die errichtet wurden, um den Piraten endlich Herr zu werden.

In diesem Beitrag findet ihr viele Fakten zur Geschichte der Piraten auf Mallorca, Ausflüge zu den Verteidigungstürmen, zu Piratenhöhlen und Abenteuertouren, bei denen eure Kinder in die Rolle von Piraten schlüpfen könne.

Piraten auf Mallorca: Ein wenig Geschichte

Im späten 16. Jahrhundert eroberte die spanische Seemacht Teile Afrikas, was der dortige Regent natürlich nicht gut fand. Die spanische Armada war zu dieser Zeit allerdings noch in ihrer Hochphase, ein offener Angriff wäre Selbstmord gewesen. Deswegen entsandte der Emir Korsaren. Darunter verstand man schon damals Piraten, allerdings solche mit einem Auftrag. Eben genau das tun, was Piraten zu tun pflegen. Der Emir konnte sich seine Hände reinwaschen: offiziell hatte er mit den Angriffen nichts zu tun. Und die Piraten durften plündern und randalieren. Unter dem Siegel der Krone.

Piraten auf Mallorca

Einer der gefürchteten Korsaren im Mittelmeer war Chaireddin Barbarossa, der eine mächtige türkischen Piratenflotte anführte. Er diente zunächst dem Emir, der seine Rache jedoch nicht auskosten konnte, weil er frühzeitig von Piraten aus dem Leben befördert wurde.

Am Ende zahlreicher Intrigen und Todesfällen kontrollierte Barbarossa alle Piraten im Mittelmeer.  Die sogenannten Beberisken-Kosaren aus dem heutigen Algerien, Marokko und Tunesien segelten regelmäßig Mallorca an. Gelegentlich reihten zu den Korsaren aus Nordafrika auch noch Plünderer der Nachbarinsel Menorca. Menorca stand damals unter der britischen Krone. Spanien und Großbritannien lagen auch im Clinch. Mallorca war demnach vogelfrei.

Die riesige Piratenflotte Barbarossas nutzte die Insel Cabrera südlich vor Mallorca als Stützpunkt. Das kleine, unbewohnte Archipel diente als Zwischenlager für Diebesgut und Rastplatz vor und nach dem Kampf. Selbst nachdem das Wehrsystem der Talaias in Kraft getreten war, und Cabrera mit einem Wachposten ausgestattet wurde, blieb die Insel hart umkämpft. Viele Soldaten ließen dort ihr Leben.

Burg von Cabrera

Die Piraten überfielen hauptsächlich reiche Städte, wie Pollença, Alcúdia, Valldemossa, Sóller und Andratx. Bei den Angriffen überrannten bis zu 1500 Piraten die Ortschaften. Aber auch kleinere Gemeinden waren vor den Plünderern nicht sicher. Häufig wurden die Menschen in die Sklaverei verschleppt. Fischer lebten in diesen Zeiten sehr gefährlich. Viele Fischerdörfer auf Mallorca wurden verlassen, weil es zu schwierig wurde, dort zu leben.

Ausflugsziel: Wachtürme auf Mallorca

Die spanische Krone beauftragte in ihrem gesamten Hoheitsgebiet schließlich verschiedene Festungsbaumeister mit dem Bau von Wachtürmen. Auf Mallorca zeichnete sich Joan Binimelis verantwortlich, ein mallorquinischer Mathematiker und Architekt.

Piratenwachtürme leuchten wieder

Binimelis plante die Türme klug. Der Eingang befand sich mehrere Meter über dem Boden und war nur mit einer Leiter zu erreichen. Unter der Erde befand sich eine mit Trinkwasser gefüllte Zisterne. Die Türme konnten damit Belagerungen standhalten. Unbesiegbar waren sie jedoch nicht.

Im Falle einer Piratensichtung entzündeten die Wachleute auf den Türmen bei Tag frisches Holz, um ein Rauchzeichen zu senden. Nachts nutzten sie trockenes Holz, um ein deutlich sichtbare Flammen zu erzeugen. Da die Türme strategisch immer in Sichtweite standen, konnte dieses Signal schnell von Turm zu Turm bis zum Almudaina Palast in Palma weitergegeben werden. Von dort rückte die Flotte zur Verteidigung aus.

Darüber hinaus warnten die Feuerzeichen die Anwohner der umliegenden Ortschaften und im Hinterland. Sie konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Nach dem ersten Sieg gegen die Piraten in Sóller waren nur noch vereinzelte Piratenangriffe auf Mallorca erfolgreich. Barbarossas Flotte wurde am Golf von Patras zerschlagen. Danach kam es nur noch selten, jedoch immer noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts, zu Überfällen.

Heute stehen die zum Teil sehr verfallenen Türme des Küstenabwehrsystems unter Denkmalschutz. Wo es geht, werden sie restauriert und der Öffentlichkeit zugängig gemacht. Teilweise ist es sogar möglich zu besteigen.

Alle Ausflüg: Wachtürme und Burgen auf Mallorca

Andratx Piratenturm Cap de Andritxol

Und da bei fast allen Kindern Piratengeschichten Staunen auslösen, lohnen Ausflüge zu den Türmen. Und selbst wenn sie sich nicht mit den Geschichten locken lassen, dann wohl mit dem Abenteuer, einen der Türme zu erklettern oder auch einfach die Aussicht bei einem Picknick mit Blick aufs Meer zu genießen. Hier eine Auswahl an Türmen, zu denen sich Ausflüge lohnen. Für weitere Möglichkeiten lohnt sich ein Blick ins Archiv.

Keinen Wachturm, aber sehr viel Piratengeschichten gibt es weiterhin auf der Wanderung des Camí de Sa Figuera. Dort wurden die Piraten von den Einwohnern Sóllers erfolgreich in die Flucht geschlagen. Die Tour lässt sich gut als Rundwanderung laufen, aber auch auf Abschnitten mit einer Fahrt in der alten Straßenbahn verbinden.

Und ebenfalls interessant ist die Pirateninsel Cabrera. Dort lagerten die Piraten und bereiteten sich auf ihre Angriffe auf Mallorca vor. Von Colonia de Sant Jordi aus fahren täglich Ausflugsboote. Neben der Burg ist es vor allem der natürliche Strand, der Besucher anlockt. Dort könnt ihr sehr gut schnorcheln.

Piratenhöhle auf Mallorca: An Land und im Meer

Piratenhöhle auf Mallorca: Meereshöhlenwanderung reservieren

Nicht immer nahmen die Piraten ihr gesamtes Diebesgut mit aufs Schiff. Einen Teil ihrer Beute versteckten sie auch in den zahlreichen Höhlen in Meeresnähe, um zu einem späteren Zeitpunkt darauf zurückgreifen zu können. An vielen Stellen rund um die Insel findet ihr deswegen sogenannten Piratenhöhlen.

Piratenhöhle auf Mallorca

Die wohl bekannteste Piratenhöhle auf Mallorca ist wahrscheinlich die Cueva des Coloms in der Nähe von Cales de Mallorca. Dabei handelt es sich um ein Meereshöhlensystem, durch das geschwommen werden kann. Im Rahmen einer Tour, bei dem euch die komplette Ausrüstung in Form von Helmen und Neoprenanzügen gestellt wird, können alle ab 12 Jahren die Piratenhöhle erkunden. Hier könnt ihr die Tour buchen.

Auf eigene Faust und über den Landweg könnt ihr die Sa Cova Tancada bei Alcúdia erkunden. Diese Piratenhöhle auf Mallorca hat einen künstlichen Eingang direkt am Meer, zu dem eine kleine Wanderung führt. Im ersten Teil der Höhle sind Treppen in den Stein geschlagen worden – wahrscheinlich von den Piraten oder auch anderen Schmugglern.

Piratenhöhle auf Mallorca

Tiefer in der Höhle wird es immer weitläufiger, aber auch dunkler. Es gibt hier kein Licht. Also unbedingt gute Taschenlampen mitnehmen. Feste Schuhe gehören auch unbedingt zur Ausrüstung. Und ihr müsst schwindelfrei und trittsicher sein, denn der Abstieg hat es durchaus in sich. Hier lest ihr mehr zur Höhle Sa Cova Tancada.

Piraten auf Mallorca: Thematischer Ausflug für Kinder

Organisierte Ausflüge sind schön und gut, richten sich aber meist nicht ausschließlich an Kinder. Anders ist es bei diesem Piratenausflug. Dort werden die Kinder als Piraten verkleidet und fahren im Piratenbus verschiedene Stationen ab, um Schätze zu finden.

Piratentour Mallorca

Während die Kinder rätseln, haben die Eltern die Möglichkeit eine Kapelle auf einem Berg zu besuchen oder freie Zeit am Strand zu genießen. Beides Stationen der Tour. Begleitet wird der Ausflug von einem erfahrenen Piraten / Reiseleiter, der sowohl Eltern als auch Kindern gerecht wird. Weitere Informationen und Bilder zu diesem Ausflug findet ihr hier.

Piratenfeste auf Mallorca

Nachdem die Piraten die Geschichte Mallorcas so stark geprägt haben, gibt es natürlich auch einige Feste, bei denen die Freibeuter eine (kleine) Rolle spielen.

Januar: Piratenleuchttürme für Menschenrechte

Das beeindruckendste an den ehemaligen Wehrtürmen auf Mallorca ist: Sie funktionieren auch heute noch. Und das zum Teil besser, als moderne Leuchttürme. Ausprobiert hat das eine Initiative der Universität der Balearen erstmals im Januar 2017. Seitdem wird jedes Jahr im Januar am Tag ein Rauchzeichen und am Abend ein Leuchtfeuer um die Insel gesendet.

Piratenwachtürme leuchten wieder
Piratenwachtürme leuchten wieder

Ursprünglich wollten die Initiatoren mit der Aktion auf den desolaten Zustand der Türme aufmerksam machen. Mittlerweile beteiligen sich auch „Außenposten“ in Menorca, Europa und Nordafrika. Denn es geht nicht mehr um die Piraten von Mallorca, sondern um Menschenrechte. Die Leuchtzeichen werden gesendet, um an die Menschen zu erinnern, die auf der Suche nach einem besseren Leben im Mittelmeer umgekommen sind.

Die alten Piratenwachtürme werden das nächste Mal am 13. Januar 2024 in altem Glanz erstrahlen. Mittags um 13.00 Uhr wird ein Rauchzeichen um die Insel gesendet. Abends 18.30 Uhr wird ein Leuchtfeuer um die Insel geschickt.

Piratenwachtürme leuchten wieder

Dieses Jahr werden neben den Türmen (torres, talaies) auch alte Wehranlagen aus der Bronzezeit (talaies) teilnehmen. Im Rahmen dessen finden Sonderführungen beispielsweise im Talaiòtic de s’Illot und dem Talaiot de Na Pol statt.

Mai: Das Ende der Piraten in der Schlacht von Sóller

Veranstaltung: Der Kampf der Piraten in Sóller

Das Küstenwarnsystem der Wachtürme auf Mallorca funktionierte eigentlich ziemlich gut, obwohl es gerade beim wichtigsten Kampf in Sóller zunächst versagte. Bei dem Angriff der Piraten im Mai 1561 auf die Stadt ging fast alles schief. Die Regenten von Mallorca waren von der Nachbarinsel Ibiza gewarnt worden und auf einen Angriff der Piratenflotte vorbereitet. Trotz allem erspähten die Wächter im Piratenwachturm sie zu spät.

Piratenfest Soller

Der Bote, der mitteilen sollte, dass weit mehr Piraten als erwartet gelandet waren, erreichte das Heer nicht. Zudem hatten die Piraten sich in zwei Gruppen geteilt. Die erste griff die bewaffneten Mallorquiner an, die zur Verteidigung aufgestellt waren. Der zweite Teil schlich über abgelegene Pfade, die nur ein Ortskundiger verraten haben konnte, in den Ort. Dort plünderten sie nach Herzenslust und nahmen viele Gefangene. Vor allem Frauen und Kinder.

Das mallorquinische Heer war den Piraten trotz Anfangsschwierigkeiten überlegen. Als sie im Siegestaumel in die Stadt zurückkehrten und dort auf die ebenfalls zu den Schiffen zurückkehrenden Piraten stießen, entfachte ein zweiter Kampf, der die Piraten schließlich in die Flucht trieb. Ab dem Folgejahr wurde die Schlacht bis in die heutige Zeit jedes Jahr am 11. Mai im Rahmen der Feier Cristianos y Moros (Christen gegen Mauren) wiederholt.

August: Piratenschlacht in Pollença

Veranstaltung: Piraten gegen Christen in Pollença

Auch Pollença ist von den Angriffen der Piraten nicht verschont geblieben. Zum Abschluss des Patronatsfestes wird dort jedes Jahr am 2. August eine Schlacht gegen die Piraten szenisch dargestellt. Das Spektakel beginnt am frühen Morgen und endet kurz vor Mitternacht mit einem Feuerwerk. Genaueres ist hier nachzulesen.

Zum Weiterlesen

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Mein Name ist Damaris, zweifache Mutter und lebe seit 2005 auf Mallorca. Ursprünglich wollte ich nie auf die Insel. Mehr lesen

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