Wachtürme: Piraten auf Mallorca

Die runden Steintürme, sogenannten Torres (spanisch) oder Talaies (Mallorquin), sind Wach- und Verteidigungstürme und befinden sich hauptsächlich an der Küste Mallorcas. Die dienten hauptsächlich zur Abwehr der Piraten auf Mallorca.

Piraten auf Mallorca: Wehrtürme

Die Furcht vor Piraten hat sich bei den Mallorquinern tief ins kollektive Gedächtnis eingegraben. Und damit auch eine gewisse Skepsis vor Fremden. Besonders im 16. und 17. Jahrhundert überfielen und plünderten nordafrikanische Korsaren die Küstenstädte und verschleppten zahlreiche Menschen in die Sklaverei.

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Piraten auf Mallorca: Game of Thrones im Mittelmeer

Als die spanische Seemacht Teile Afrikas eroberte, ließ der dortige Emir diese Scham natürlich nicht auf sich sitzen. Er sandte Korsaren aus – Piraten mit Freibrief, die genau das tun, was Piraten zu tun pflegen. Aber unter dem Siegel der Krone.

Piraten auf Mallorca
Antonio de Brugada (Own work) [CC BY-SA 4.0 or Public domain], via Wikimedia Commons

Korsare: Piraten mit Erlaubnis

Einer der gefürchteten Korsaren im Mittelmeer war Chaireddin Barbarossa, der mächtige türkischen Piratenflotte anführte. Er diente zunächst dem Emir, der seine Rache jedoch nicht auskosten konnte, weil er frühzeitig von Piraten aus dem Leben befördert wurde.

Am Ende zahlreicher Intrigen und Todesfällen kontrollierte Barbarossa alle Piraten im Mittelmeer.  Die sogenannten Beberisken-Kosaren aus den heutigen Algerien, Marokko und Tunesien visierten regelmäßig Mallorca an. Gelegentlich reihten zu den Korsaren aus Nordafrika auch noch Plünderer der Nachbarinsel Menorca. Menorca stand damals unter der britischen Krone und Mallorca war demnach vogelfrei.

Cabrera: Piratenstützpunkt

Burg von Cabrera

Die riesige Piratenflotte Barbarossas nutzte die Insel [> Cabrera] südlich vor Mallorca als Stützpunkt. Das kleine, unbewohnte Archipel diente als Zwischenlager für Diebesgut und Rastplatz vor und nach dem Kampf.

Selbst nachdem das Wehrsystem der Talaias in Kraft getreten war, und Cabrera mit einem Wachposten ausgestattet wurde, blieb die Insel hart umkämpft. Viele Soldaten ließen dort ihr Leben.

Die Piraten überfielen hauptsächlich reiche Städte, wie Pollença, Alcúdia, Valldemossa und Andratx. Bei den Angriffen überrannten bis zu 1500 Piraten die Ortschaften. Aber auch kleinere Gemeinden waren vor den Plünderern nicht sicher. Häufig wurden die Menschen in die Sklaverei verschleppt. Fischer lebten in diesen Zeiten sehr gefährlich.

Wehrtürme im Kampf gegen die Piraten auf Mallorca

Die spanische Krone beauftragte in ihrem gesamten Hoheitsgebiet schließlich verschiedene Festungsbaumeister mit dem Bau verschiedenen Wachtürme. Auf Mallorca zeichnete sich Joan Binimelis verantwortlich, ein mallorquinischen Mathematiker und Architekt.

Feuer und Rauch

Piratenwachtürme leuchten wieder

Binimelis plante die Türme klug. Der Eingang befand sich mehrere Meter über den Boden und war nur mit einer Leiter zu bewältigen. Unter der Erde befand sich eine mit Trinkwasser gefüllte Zisterne. Die Türme konnten damit Belagerungen standhalten. Unbesiegbar waren sie jedoch nicht.

Im Falle einer Piratensichtung entzündeten die Wachleute auf den Türmen bei Tag frisches Holz, um ein Rauchzeichen zu senden. Nachts nutzten sie trockenes Holz, um ein deutlich sichtbare Flammen zu erzeugen. Da die Türme strategisch immer in Sichtweite standen, konnte dieses Signal schnell von Turm zu Turm bis zum Almudaina Palast in Palma weitergegeben werden. Von dort rückte die Flotte zur Verteidigung aus.

Darüber hinaus warnten die Feuerzeichen die Anwohner der umliegenden Ortschaften und im Hinterland. Sie konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen.

Sieg und Versagen: Die Schlacht von Soller

Piraten auf Mallorca
Ángel Cortellini Sánchez (Own work) [CC BY-SA 4.0 or Public domain], via Wikimedia Commons

Das Küstenwarnsystem funktionierte ziemlich gut, obwohl es gerade beim wichtigsten Kampf in Sóller zunächst versagte. Bei dem Angriff der Piraten 1561 auf den Ort ging fast alles schief. Mallorca war von der Nachbarinsel Ibiza gewarnt worden und auf einen Angriff der Piratenflotte vorbereitet. Trotz allem erspähten die Wächter im Piratenwachturm sie zu spät.

Der Bote, der mitteilen sollte, dass weit mehr Piraten als erwartet gelandet waren, erreichte das Heer nicht. Zudem hatten die Piraten sich in zwei Gruppen geteilt. Die erste griff die bewaffneten Mallorquiner an, die zur Verteidigung aufgestellt waren. Der zweite Teil schlich über abgelegene Pfade, die nur ein Ortskundiger verraten haben konnte, in den Ort. Dort plünderten sie nach Herzenslust und nahmen viele Gefangene. Vor allem Frauen und Kinder.

Das mallorquinische Heer war den Piraten trotz Anfangsschwierigkeiten überlegen. Als sie im Siegestaumel in die Stadt zurückkehrten und dort auf die ebenfalls zu den Schiffen zurückkehrenden Piraten stießen, entfachte ein zweiter Kampf, der die Piraten schließlich in die Flucht trieb. Ab dem Folgejahr wurde die Schlacht bis in die heutige Zeit jedes Jahr am 11. Mai im Rahmen der Feier [> Cristianos y Moros (Christen gegen Mauren)] wiederholt.

Die Piratenwachtürme heute

Andratx Piratenturm Cap de Andritxol

Nach dem ersten Sieg gegen die Piraten waren nur noch vereinzelte Piratenangriffe auf Mallorca erfolgreich. Barbarossas Flotte wurde am Golf von Patras zerschlagen. Danach kam es nur noch selten, jedoch immer noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts, zu Überfällen.

Heute stehen die zum Teil sehr verfallenen Türme des Küstenabwehrsystems unter Denkmalschutz. Wo es geht, werden sie restauriert und der Öffentlichkeit zugängig gemacht. Teilweise ist es sogar möglich zu besteigen.

Ausflüge zu und auf Piratentürme

Bei Kindern ziehen Piratengeschichten eigentlich fast immer. Selbst bei unseren, die mittlerweile zwar meinen, ich kann mir die Piratengeschichten schenken, aber trotzdem immer wieder mit Eifer dabei sind, neue Türme zu erwandern und zu besichtigen. Hier eine kleine (automatisierte) Übersicht über Piraten-Turm-Touren:

[> Alle Ausflüge der Kategorie „Burgen & Wachtürme“]

Piratenleuchttürme für Menschenrechte

Piratenwachtürme leuchten wieder

Das beeindruckendste an den ehemaligen Abwehrsystem ist jedoch eine ganz andere Sache: Die Leuchttürme funktionieren auch heute noch. Und das zum Teil besser, als moderne Leuchttürme. Ausprobiert hat das eine Initiative der Universität der Balearen erstmals im Januar 2017. Seitdem wird jedes Jahr im Januar am Tag ein Rauchzeichen und am Abend ein Leuchtfeuer um die Insel gesendet.

Ursprünglich wollten die Initiatoren mit der Aktion auf den desolaten Zustand der Türme aufmerksam machen. Mittlerweile beteiligen sich auch „Außenposten“ in Menorca, Europa und Nordafrika. Denn es geht nicht mehr um Piraten, sondern um Menschenrechte. Die Leuchtzeichen werden gesendet um an die Menschen zu erinnern, die auf der Suche nach einem besseren Leben im Mittelmeer umgekommen sind. [> Mehr zu der Veranstaltung und dem Manifest ist hier zu lesen.]


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