Castell Bellver: Palmas Burg mit der besten Aussicht

Neben der Kathedrale ist die Burg Castell Bellver (Katalanisch: schöne Aussicht) wohl die ikonischste aller Sehenswürdigkeiten der Stadt. Die Burg ist in ihrer Form einmalig in Europa, da sie anders als andere kreisrund um einen Hof gebaut wurde.

Die Burg Castell Bellver in Palma de Mallorca

Viele Jahre diente das Castell de Bellver Jahre als Gefängnis. Unter der Burg befindet sich ein riesiges Höhlensystem, das zum Großteil künstlich entstand. In Teilen davon lagerte das Militär lange Zeit Munition. Legenden erzählen, dass es einen geheimen Tunnel gab, der die Burg mit dem Almudaina Palast verband. In einer der Höhlen im Wald um Bellver soll außerdem die Hexe Joana gelebt haben, eine der berühmtesten Figuren der mallorquinischen Folklore.

Castell de Bellver: Ein wenig Geschichte

Die Burg wurde 1309 unter dem damaligen König Jaume II fertiggestellt und diente als erste Residenz der königlichen Familie. Am Bau waren neben festangestellten Arbeitern auch Sklaven und Frauen beteiligt. Zunächst diente die Burg als königliche Residenz der jeweiligen Regenden.

Etwas angenehmer hatten es politische Gefangene und solche mit adligem Blut. Sie wurden in einer Art Hausarrest in den Räumen des zweiten Stockes der Burg untergebracht. Unter anderem auch Violante, die Frau König Jaume III, der in der Schlacht bei Llucmajor ums Leben kam. Die Königswitwe und ihre Kinder blieben in der Burg bis sie in ein Kloster nach Valencia zogen.

Ab 1717 wurde das Castell de Bellver als Militärgefängnis genutzt. Einer der berühmtesten Gefangenen neben den zahlreichen französischen Soldaten, die nach der Schlacht von Bailén hier interniert wurden, war zwischen 1802 und 1808 Gaspar Melchior de Jovellanos, ein Dichter und Schriftsteller der spanischen Aufklärung. Während des spanischen Bürgerkriegs waren mehr als 800 Republikaner in der Burg inhaftiert.

Heute ist im Erdgeschoss das Museo Historic de la Ciutat, das Museum der Stadtgeschichte, untergebracht. Die Stadt Palma, in deren Besitz die Burg seit 1931 ist, zeigt darin Ausstellungsstücke aus Zeiten der maurischen Herrschaft, als Palma noch Medina Mayurca genannt wurde, bis in die Zeit des spanischen Bürgerkrieges hinein. Zur Sammlung gehören auch Werke des Bildhauers Antoni Despuig und Schriften des Häftlings und Aufklärers Jovellanos

Die Höhlen im Wald des Castell Bellver

Die gesamte Insel Mallorca ist durchzogen von vielen eindrucksvollen Höhlensystemen. Aber ausgerechnet unter dem Castillo de Bellver ist dieses nicht natürlich, sondern von Menschenhand geschaffen. Bis in die 1930er Jahre bestand diese Höhle aus einem einzigen Saal und einem sehr kleinen versteckten Eingang. Sowohl Jovellans, der Häftling, als auch der Erzherzog Luis Salvador von Österreich schrieben über die mysteriöse Höhle, die nach Unheil roch.

Während des Spanischen Bürgerkriegs wurden die Höhle vom Militär in Beschlag genommen, Mauern errichtet und die Eingänge vergrößert. Eine der Kammern wurde Munitionslager, in der anderen Kammer wurde Kraftstoff gelagert. Beide wurden durch feuerfeste Kammern getrennt, was dazu führte, dass die Höhle ein ernsthaftes Feuchtigkeitsproblem bekam.

Als das Militär die Höhlen nicht mehr benötigte, übernahm sie die Stadt um gepfändetes Eigentum dort zu lagern. Womit die Horrorshow begann, denn wirklich alles wurde von Schimmel befallen. Selbst Fahrzeuge, also falsch geparkte Autos, die später dort gelagert wurden, hielten der Feuchtigkeit nicht stand und zerfielen zu bizarren Objekten. In einer letzten Renovierung der Höhle wurden die meisten Objekte entsorgt, jedoch tauchen immer einmal wieder Kuriositäten auf.

Bis vor wenigen Jahren war es möglich im Rahmen der Festlichkeiten zu Palmas Schutzheiligen San Sebastià die Höhlen zu besichtigen. Leider hat die Feuchtigkeit gefährliche Risse im Höhlensystem produziert, weshalb es momentan nicht möglich ist, die Höhlen von Innen zu betrachten. Der Eingang der Höhlen befinden sich in der Nähe des Reitplatzes, der von der berittenen Polizei genutzt wird.

Ausflüge im und zum Castell Bellver

Ausflüge und Wanderungen

Die meisten Urlauber besuchen nur die Burg und das Burggelände, genießen die Aussicht und gehen wieder. Das könnt ihr machen. Aber nicht ohne zumindest zu wissen, dass es rund um die Burg auch noch ein paar mehr Unternehmungen gibt, die sich lohnen.

Besuch der Burg

Die einzige runde Burg Europas hat drei halbrunde Festungstürme. Der vierte Turm, der sogenannte Torre de l’Homenatge steht einige Meter abseits und sollte dem König im Falle einer Eroberung der Burg als Rückzugs- und Fluchtmöglichkeit dienen. Später hausten hier vorrangig Gefangene, die durch eine nach wie vor bestehende Öffnung in die Tiefe gestoßen wurden.

Das Castell von Bellver öffnet fast ganzjährig. Besonders schön ist der Blick vom Wehrgang. Ausgenommen von der Besichtigung ist der frei stehende Turm, der Torre de l’Horminatge, der seine Pforten nur zu bestimmten Anlässen und ausschließlich für Führungen öffnet. Obwohl auch dort Ausstellungsstücke, und Wandkritzeleien von Gefangenen zu sehen sind.

Vom Hafen zur Burg

Obwohl das Castell de Bellver ein ganzes Stück abseits der anderen klassischen Sehenswürdigkeiten Palmas steht, könnt ihre s auch zu Fuß erreichen. Lauffreude vorausgesetzt.

Von der Kathedrale geht es im Hafen entlang, an der Seehandelsbörse Sa Llotja und dem Consolat de Mar, dem Regierungssitz der Inselregierung, vorbei am Mühlenviertel und im Viertel El Terreno dann eine sehr steile und lange Treppe empor, die euch an der Kapelle Ermita de Bellver vorbeiführt. Die einfache Strecke von der Kathedrale zur Burg beträgt drei Kilometer. Mit Kindern solltet ihr mindestens eine Stunde einplanen und bedenken, dass ihr die meiste Zeit an der stark befahrenen Hafenstraße Paseo Maritimo entlanglauft.

Durch den Hexenwald der Burg Bellver

Blick vom Wald auf die Kathedrale

Im Gegensatz zu der Hektik der Hafenstraße ist es rund um die Burg überraschend ruhig. Eigentlich eine große Parkanlage wird der grüne Bereich rund um das Castell Bellver auch Bosc de Bellver genannt, der Wald von Bellver. Und stellenweise fühlt man sich durchaus wie in einem Hexenwald. (Mehr dazu bei den Legenden).

Es gibt einen guten Mix aus Asphalt, Sandwegen und Trampelpfaden. Die Palmesanos (so nennt man die Bewohner Palmas) nutzen den Wald zum Spazieren, Joggen und Radfahren. Und fast könnte man vergessen, dass wir uns in der größten Stadt Mallorcas befinden.

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Spielplätze im Wald von Bellver

Überall im Wald findet ihr Übersichtskarten, auf denen auch die Spielplätze eingetragen sind.

Spielplatz Parc Municipal Jovellanos

Dieser Spielplatz liegt ungefähr halben Weg auf der Zufahrtsstraße zur Burg. Ihr findet dort verschiedene Spielgeräte für Kinder aller Altersklassen, ein großes Picknick Areal mit zahlreichen Tischen und einer großen Freifläche, auf der Fußball gespielt wird.

Hier haben wir diesen Spielplatz auf der Karte markiert.

Spielplatz Parc Municipal Es Polvori

Unmittelbar hinter den Burgmauern an einem der zahlreichen Eingänge zum Wald und Burggelände liegt einer der schönsten Spielplätze der Stadt. Der Parc Infantil Castell de Bellver hat einen guten Mix aus Tischtennisplatten, Rutschen, Klettergeräten und Seilrutschen. Und, für Eltern das wichtigste, viele schattige Sitzgelegenheiten. Leider ist er erst für Kinder ab 6 Jahren offiziell geeignet. Was jedoch nicht bedeutet, dass nicht auch jüngere Kinder dort spielen.

Hier findet ihr den Spielplatz auf der Karte.

Legenden rund um die Burg Castell de Bellver

Das größte Mysterium ist wohl, wozu die Höhlen von Bellver dienten. Wer ließ sie bauen? Oder wer lebte dort? Es gibt zwei Legenden, die sich damit beschäftigen.

Geheime Tunnel zum Königspalast

Ausstellung im Turm Torre de l'Horminatge

Von der Art und Weise wie die Höhlen ausgegraben wurden, lässt sich ziemlich sicher ausschließen, dass die Steine zum Bau der Burg verwendet wurden. Dafür sind die Tunnel zu wirr und labyrinthartig. Auch die Eingänge waren zu versteckt und viel zu weit entfernt von Punkten, wo sie als Steinbruch Sinn ergeben hätten. Ziemlich sicher ist jedoch, dass der Tunnel in der gleichen Zeit wie die Burg gebaut wurde.

Daraus entstand die Legende, dass es einen Tunnel gegeben haben muss, der die Burg von Bellver mit dem Königspalast Almudaina verbunden hatte. Historiker halten das jedoch für unwahrscheinlich. Die Strecke sei zu lang, die Höhenunterschiede zu groß und der Untergrund zu unregelmäßig. Jedoch ist es durchaus denkbar, dass die Tunnel eine Art geheimen Aus- oder Zugang zur Burg bildetet. Dafür könnte auch sprechen, dass Jaume II bereits an anderer Stelle vor seinen Feinden durch das Abwassersystem flüchten musste.

Die Höhle der Hexe Joana

Im Hof der Burg

Die Bruixa Joana ist wohl die bekannteste Märchenfigur der mallorquinischen Folklore. Laut einer Legende lebte sie in einer Höhle im Wald von Bellver. Tatsächlich gibt es eine historisch belegte Joana de Peguera, die in der Natur lebte. Die Höhle mit Wasserspeicher und Feigenbaum wurde von Historikern lokalisiert, gehört aber nicht zum großen Tunnelsystem.

Obwohl die Hexe Joana als Hexe natürlich für ihr Hexenwerk gefürchtet wurde, kommt sie in den mallorquinischen Märchen als sehr gesellige Frau daher. Einen Jungen befreite sie sogar von einem krummen Buckel. Den weniger netten Mitmenschen hexte sie allerdings Schmerz und Leid auf dem Leib. Aber letzten Endes bekam jeder nur, was er verdiente.

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Kurz & Knapp

Öffnungszeiten: Geöffnet Dienstag bis Samstag von 10 bis 18 Uhr, zwischen April und September bis 19 Uhr, Sonntag und Feiertage bis 15 Uhr, geschlossen am 1. Weihnachtsfeiertag, Neujahr und 1. Mai.

Eintritt: € 4, Kinder bis 14 Jahre und sonntags freier Eintritt.

Internet: castelldebellver.palma.cat

Kinderwagen: Die Museumsräume der Burg sind barrierefrei und mit Rampen und Fahrstühlen ausgestattet.

Bus: Der rote City-Touristenbus pendelt mit Linie 50 an die Burg. Der Stadtbus EMT 46 fährt ab Plaça España nach Belvedere zur Haltestelle Francesc Vidal i Sureda – el Terreno.

Einkehr: Cafetería del Castell Bellver mit Terrasse und Blick über den Wald. Neben der Information.

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