Einkaufen in Palma: Die ältesten Geschäfte der Stadt

Einkaufen in Palma ist nicht mehr, was es früher einmal war. Der Altstadt geht es wie allen Innenstädten: traditionelle Unternehmen schließen, weil sie mit den Preisen der Discounter und Onlinehändler nicht mithalten können.

Einkaufen in Palma: Traditionsgeschäfte

In den letzten vier Jahren mussten mehr als 800 kleine Geschäfte auf den Balearen schließen. Darunter zahlreiche emblematische Geschäfte Palmas. Genau die eigentlich, die den Stadtvierteln den speziellen Charme geben, der auch Urlauber verzaubert. Grund genug für Pedro Sancho von pekesmallorca.com, eine der derzeit besten Stadtführungen der Stadt zu kreieren und Einkaufen in Palma mit der Geschichte der Stadt zu verbinden.

Begleitet uns durch die ältesten Läden Palma de Mallorcas. Mit Verköstigungen und Geschichten der Eigentümer, die von geheimen Rezepten, Traditionen und den Schwierigkeiten erzählen, denen sie sich stellen müssen.

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Cafe: Ca’n Joan de S’Aigo

Carrer Can Sanç, 10
Palma de Mallorca
Montag bis Sonntag, 8 – 21 Uhr
Auf der Karte

Auf den grell leuchtenden Schild über dem Eingang ist horchatería und chocolatería zu lesen. Erfrischungsgetränke und Schokolade. Die Anfänge des seit 1700 bestehenden Unternehmens sahen jedoch ganz anders aus. Zunächst wurde bei Ca’n Joan de S’Aigo nämlich pa de neu verkauft. Schneebrote. Wir würden Eisblöcke sagen. Dazu ein kleiner Exkurs:

Auch wenn Mallorca auf den ersten Blick nicht den Anschein macht, mit Schnee gesegnet zu sein, kommt es gelegentlich doch vor, dass es in den Bergen schneit. Früher mehr als in Zeiten des Klimawandels. Auf den Wanderstrecken im Tramuntana Gebirge kommt ihr gelegentlich an Hausruinen vorbei, den cases de neu, Schneehäusern. Dort wurde der Schnee im Winter hineingeschaufelt und zu Eis gepresst. In der wärmeren Jahreszeit wurden Eisblöcke herausgeschlagen und nach Palma transportiert. Joan Thomas vertrieb die Schneeblöcke, oder pans de neu an Familien zur Eigennutzung.

Dabei kam ihm die Idee, das Schmelzwasser der Blöcke noch anderweitig zu nutzen und vermischte es mit Fruchtsäften. Eine Vorstufe zum Speiseeis war geboren. Der Beiname de S’Aigo bedeutet nämlich nichts weiter als „Wasser“. Das erste Speiseeis, das Ca’n Joan de s’Aigo produzierte, war ein Mandeleis. Die dazu  benutzte Eismühle ist heute noch im Lokal der calle Can Sanç zu sehen. Ebenso bombas, in denen das Eis gelagert wurde.

Nur wenig später begann die Produktion von chocolate caliente und ensaïmadas. Und die berühmte coca cuarto, ein Biskuitkuchen, der nur wirklich gut wird, wenn man ihn „erschreckt“ indem er mit dem Kuchenblech zu Boden geworfen wird, unmittelbar, nachdem er aus dem Ofen geholt wurde. Dadurch wurde das Unternehmen die erste chocolatería Europas. In der vierten Generation bewirtschaftet die Familia Martonell, die jetzigen Eigentümer, das Geschäft. Zur Spezialität zählt nach wie vor das Mandeleis, coca de cuarto und ensaïmada. Zu Silvester werden bis zu 24 Tausend ensaïmadas an einem Tag verkauft. Und im gesamten Jahren werden bis zu vier Tonnen Erdbeeren zu Speiseeis verarbeitet.

Spielzeuge: Jugetes La Industrial

Calle Quint, 8
Palma de Mallorca
Montag bis Samstag: 10 – 20 Uhr
Auf der Karte

La Industrial ist Palmas ältester Spielzeugladen. Sowohl Grace Kelley als auch die Königin Sofia kauften hier ein. Gegründet wurde er 1929 vom Opa der jetzigen Eigentümerinnen, Neus und Concepció, die bereits mit neun Jahren im Laden aushalfen. Ab dem Moment, in dem sie nicht mehr an den Weihnachtsmann glaubten und dessen Rolle übernahmen. Das Geschäft selbst existierte bereits seit 1898. Am Anfang wurde so ziemlich alles verkauft, bis sich der Großvater immer mehr auf Spielzeuge spezialisierte.

Der Vater der beiden Schwestern wurde in der Wohnung über dem Laden geboren und wuchs dort auf, während ihr Opa eine Etage tiefer Zinnsoldaten, Spieluhren und Puppen verkaufte. In der Zeit nach dem Bürgerkrieg schnitzte der Großvater Spielzeuge. Die Großmutter nähte Puppenkleider.

Der Laden hat den Weltkrieg überlebt, den Bürgerkrieg, Finanzkrisen – und nie geschlossen, nicht einmal dann, als Bomben über Palma abgeworfen wurden. Die Bomben des 21. Jahrhunderts sind andere. Großhändler und das Internet machen es den beiden Schwestern schwer. Früher arbeiteten während der Weihnachtszeit 16 Personen im Laden. Heute sind es nur noch drei.

Eine Sache ist aber immer noch so wie vor fast hundert Jahren: auf dem Heimweg bleiben die Schulkinder mit großen Augen vor dem Schaufenster stehen und drücken sich die Nasen platt. Besonderz zu Weihnachten. Denn pünktlich am 9. Dezember wird im Schaufenster eine traditionelle mallorquinische Szene mit Puppen nachgestellt, auf die sich Kinder und Erwachsene freuen.

Schokolade: Bomboneria La Pajarita

Carrer de Sant Nicolau, 2
Palma de Mallorca
Montag bis Samstag, 10 – 14 &  16.30 – 20 Uhr
Auf der Karte

Schon wenn man die Auslage im Schaufenster betrachtet, nimmt man zu. Je nach Jahreszeit werden hier kunstvoll geformte Pralinen und massige turróns präsentiert. Besonders zur Weihnachtszeit ist die Auswahl der dicken Schokoladentafeln enorm. Damit hier nichts schmilzt oder verdirbt, muss die Innentemperatur konstant 18 Grad betragen, Sommer wie Winter gleichermaßen.

Der Pralinenladen und der Delikatessenladen nebenan gingen lange Zeit Hand in Hand. Mittlerweile sind die Geschäfte getrennt. Die Ururgroßeltern des Inhabers des Delikatessengeschäftes eröffneten 1872 in der calle de Ses Minyones einen Schokoladenladen. Nicht ohne sich in der Schweiz zeigen zu lassen, wie Pralinen hergestellt werden.

Bald zählte die gesamte Bourgeoisie der Stadt zu ihren Klienten. Ein Stammgast war  Erzherzog Luis Salvador, der nur mit einem Vorkoster erschien, welcher sicherstellen musste, dass die Süßigkeiten nicht vergiftet waren. Damals wie heute zählen die Pralinen und turróns zu den Spezialitäten des Ladens.

Delikatessen: Charcuteria La Pajarita Colmado

Carrer de Sant Nicolau, 4
Palma de Mallorca
Montag bis Freitag, 10 – 20 Uhr, Samstag: 10 – 14 Uhr
Auf der Karte

Anders als das Pralinengeschäft blieb das Unternehmen mit Schinken und Kaviar im Familienbesitz. Pep Mulet leidet es in der sechsten Generation. Sein Vater, so heißt es, wurde zwischen Schinken und Schokolade geboren.

Das damals noch kombinierte Geschäft  war das erste auf Mallorca, welches Kaffee, Bananen von den Kanaren und Champagner Möet & Chandon verkaufte. Eine Flasche stellten die Besitzer voller Stolz ins Schaufenster. Allerdings nicht ohne vorher den Champagner durch Wasser zu ersetzen. Die erste Schinkenschneidemaschine wurde hier in Betrieb genommen, ebenso wie ein elektrischer Ventilator, der die Fliegen vertreiben sollte.

Neben dem Erzherzog war auch der britische Dichter Robert Grave ein viel gesehener Kunde. Er kam mit einem Handkorb, den er bis zum Rand mit Delikatessen füllen ließ. Den könnt ihr euch auch heute noch füllen lassen. Alternativ kann das Mittagsmenü auch auf Instagram bestellt werden.

Ökobäcker: Es Fornet de la Soca

Plaça de Weyler, 9
Palma de Mallorca
Montag bis Samstag: 9 – 20 Uhr
Auf der Karte

Die Bäckerei Fornet de la Soca gibt es erst seit 2008 – Tradition also weit gefehlt? Nur bedingt. Zum einen ist das Gebäude der Bäckerei neben dem Teatre Principal voller Geschichte. Die Fassade aus der Zeit des Modernismo, einer Variante des Jugendstils, steht unter Denkmalschutz. Ein Drache breitet die Flügel über dem Schaufenster aus.

Der jetzige Betreiber, Tomeu Arbona, hat das Lokal 2018 übernommen. Sein Ruf eilt ihm voraus. Er ist ein selfmade man wie er im Buche steht. Ursprünglich arbeite er als Therapeut, verlor aber im Zuge der Wirtschaftskrise 2007 seine Lebensgrundlage und orientierte sich neu. Dafür durchsuchte er Archive nach alten Rezepten, versuchte sich an Workshops und veröffentlichte diverse Bücher, mit denen er seine Vision der mallorquinischen Küche verbreitete und sich den Ruf eines gastronomischen Archäologen erarbeitet.

Einen, der sich an Traditionen hält, diese aber auch abwandelt und damit experimentiert. Mehr als 16 verschiedene Arten von empanadas bereitet er in seiner Bäckerei zu. Besonders lecker sind die verschiedenen cocas, eine Art Gemüsepizza. Denn hier auf Mallorca sind Backwaren süß und salzig.

Palmas Brötchen: Forn de la Gloria

Carrer del Forn de la Glòria, 7
Palma de Mallorca
Montag bis Samstag: 8 – 14.30 & 17.30 – 20 Uhr
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Der Bäcker Forn de la Glòria liegt in der Straße calle de la Glòria. Man weiß nicht, ob der Bäcker der Straße den Namen gab, oder umgekehrt. Möglich wäre beides. Denn das Lokal wurde bereits 1717 zum ersten Mal in offiziellen Dokumenten erwähnt. Allerdings zog es erst 1870 in das jetzige Lokal.

Noch heute bäckt der Ofen (Mallorquin: forn) mit Holz und hält sich an die traditionellen Rezepte aus der Anfangszeit. Eine Spezialität sind die llonguets, Brötchen, die es nur in Palma gibt. Um sich vom Bauernpöbel abzuheben, erfanden die Städter vor langer Zeit ihre eigenen Brote. Dieses sind auch heute noch so gefragt, dass es des Öfteren (aber vor allem zum Patronatsfest im Januar) eine Route gibt, auf der die besten llonguets der Stadt getestet werden können.

Geleitet wird die Bäckerei von Xisca und Sebastià Camps, Geschwister, die in der Bäckerei ihrer Eltern groß geworden sind. Ihr Vater hatte in dem Bäcker gearbeitet und ihn schließlich gekauft. Zusammen mit den Geschichten, die über den Forn erzählt werden. Darunter eine, die behauptet, dass die Bäckerei bereits zu Zeiten von König Jaume I existierte. Damals als Kochstelle für alle Nachbarn des Viertels.

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Einkaufen in Palma & Schlemmen

Es gibt natürlich noch mehr Traditionsgeschäfte in Palma, aber nach drei Stunden hatten wir alle einen vollen Bauch und nasse Füße. Die Idee dieser Initiative ist jedoch klar: wir alle – hier auf Mallorca, bei euch in Deutschland, überall – müssen wieder mehr lokal bei den Menschen um der Ecke kaufen. Viele von denen gehen mit der Zeit, verkaufen online, liefern frei Haus. Letzten Endes sind es aber wir, die Konsumenten, die über das Fortbestehen eines jahrhundertealten Geschäftes oder dessen Schließung entscheiden.

Wir kommen momentan alle nicht weit weg. Also bleiben wir in unserem Viertel und kaufen beim Händler in der Nähe. Und hören uns dabei seine Geschichte an. Denn die gibt es nur dort, und nicht bei Amazon.


Pedro Sancho, unser Führer und Organisator dieser Tour, arbeitet als offizieller Stadtführer in Palma und bloggt auf Spanisch auf pekesmallorca.com.

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