Port de Sa Calobra & Torrent de Pareis: Mallorcas eindrucksvollste Schlucht


Die Schlucht des Torrent de Pareis ist eines der eindrucksvollsten Naturdenkmäler Mallorcas. Entstanden ist der Grand Canyon der Insel durch die Naturgewalt des sporadisch fließenden Sturzbaches, der nur unweit des kleinen Hafens Port de Sa Calobra ins Meer mündet.

Torrent de Pareis & Port de Sa Calobra

Transparenzhinweis: Einige Links in diesem Beitrag führen eventuell zu externen Buchungsmöglichkeiten. Kommt es zu einem Kauf, erhalten wir eine kleine Provision. Am Preis ändert sich für euch nichts.

Bis zu 200 Meter sind die steilen Felswände der Schlucht hoch. An einigen Stellen rücken sie so nah zusammen, dass man nur die Arme ausbreiten muss, um die Felsen auf beiden Seiten zu berühren. Früher war der Weg durch die Schlucht neben der Fahrt über das Meer die einzige Möglichkeit, um aus dem Ort Sa Calobra in andere Teile der Insel zu gelangen. Beides war nicht unbedingt ungefährlich. Auch heute noch leben nur wenige Menschen ganzjährig hier. Dafür kommen in der Hauptsaison mehrere tausende Gäste täglich zu Besuch. Über das Meer, durch die Schlucht oder über die wohl eindrucksvollste Straße Mallorcas. Wir verraten euch, was sich lohnt und wie eine Wanderung durch den Torrent de Pareis aussehen könnte.

Anfahrt zum Torrent der Pareis: Der berühmte Krawattenknoten

Ohne Kurven: Der Weg übers Meer mit einem Ausflugsboot ist stressfreier. Die Aussicht ist dabei ähnlich imposant. Ausflugsboote können hier reserviert werden.

Sa Calobra und der Krawattenknoten: Anfahrt

Die Anfahrt nach Sa Calobra und zum Torrent de Pareis ist einer der Gründe, warum ich nicht so gerne in die Schlucht fahre. Die 12,5 Kilometer lange Serpentinenstraße wurde vom mallorquinischen Ingenieur Antonio Parietti entworfen und 1932 eröffnet. Sie ist sicher die spektakuläre Bergstraße der Insel. Nicht nur bietet sie atemraubende Ausblicke, sie überwindet in 12 Serpentinen und vielen Kurven außerdem einen Höhenunterschied von 800 Metern.

Parietti wollte steile Kurven vermeiden und dem Gelände folgen. Weshalb der nunmehr berühmte Krawattenknoten entworfen wurde. Der einzigen Punkt der gesamten Abfahrt, bei dem Stützpfeiler zum Einsatz kamen.

Was hat es mit diesem Krawattenknoten auf sich? Am Aussichtspunkt Coll dels Reis vollführt die Bergstraße eine 270-Grad-Wendung, um den Höhenunterschied auszugleichen. Der Nus de sa Corbata führt zunächst über eine Brücke und gleich darauf auch die Brücke hindurch.

Noch eindrucksvoller ist nur die Tatsache, dass beim Bau dieser Straße keine Maschinen genutzt wurden. Ein weiterer Grund, warum die Bergstraße auch als Meisterwerk der Straßenbaukunst gilt. Nichtsdestotrotz ist die Anfahrt vor allem für Menschen wie mich eine Herausforderung. Vor allem, wenn in der Hauptsaison zahlreichen Bussen am Abgrund ausgewichen werden muss.

Trivia: Antonio Parietti zeichnete sich auch für den Bau der Straßen zum Cap de Formentor und auf den Puig de Randa verantwortlich.

Der Hafenort Port de Sa Calobra

Port de Sa Calobra

Dafür, dass der Hafen von Sa Calobra so bekannt ist, ist er winzig. Das Dorf – eigentlich nur eine Anhäufung weniger Häuser – liegt oberhalb des Hafens an den Hängen. In der Bucht liegen alte Bootsgaragen. Das Ganze wird von hohen Felsen gerahmt.

Bis zum Bau der Serpentinenstraße war Sa Calobra vom Rest der Insel praktisch abgeschnitten. Wer außerhalb des Ortes Geschäfte zu erledigen hatte, musste durch die Schlucht oder über das Meer fahren. Beides nicht ganz ungefährliche Unternehmungen.

Denn auch hier trieben sich Piraten herum. Es wird erzählt, dass Sa Calobra Schmugglern und Freibeutern als Versteck diente. Der berüchtigte Pirat Barbarossa soll einen Bauern mit Namen Calobra von hier entführt haben. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts haben Schmuggler in den Höhlen der Gegend ihre Waren versteckt. Heute bringen Touristen zum Glück mehr Geld ein, als illegale Geschäfte.

Restaurants in Sa Calobra

Restaurants in Sa Calobra

Als kleine Faustregel für die Restaurants in Sa Calobra: Je besser die Aussicht, umso schlechter ist das Essen. Ihr solltet keine kulinarischen Großleistungen erwarten. Einige Restaurants bieten durchaus lokale Küche an, jedoch herrscht an fast allen Stellen Selbstbedienung und die Gerichte werden dementsprechend nicht frisch zubereitet.

Günstig ist das Ganze zudem auch nicht. Es wird oft von Touristenabzocke geredet. Allerdings wird ja auch niemand gezwungen, sich das Essen anzutun. Viele Ausflügler, vor allem solche, die mit den Ausflugsbooten ankommen, nehmen die Dienste in Anspruch und erhalten sie damit am Leben.

Ich würde in jedem Fall ein eigenes Picknick mitbringen. Damit könnt ihr euch an die ruhigeren Stellen zurückziehen und müsst euch nicht über die Restaurants in Sa Calobra ärgern.

Der Strand Platja de Sa Calobra

In Sa Calobra findet ihr eine kleine Strandfläche. Direkt neben dem Hafen und inmitten der Restaurants ist das auch die Stelle, die im Sommer am überlaufensten ist. Außerdem ist Schwimmen teilweise nicht ganz ungefährlich. Wenn der Wind sehr stark aus Westen bläst, können euch die Wellen an die Felsen spülen. Der Strand wird nicht überwacht.

Wie auch beim Strand des Torrent de Pareis: Für mich wäre es ok, um uns kurz im Wasser abzukühlen. Aber eigentlich ist es zu voll. Wir bevorzugen den Strand der Cala Tuent. Diese liegt ein wenig außerhalb. Weiter unten schreibe ich mehr dazu.

Torrent de Pareis: Entstehung

Es gibt auf Mallorca keine Flüsse, nur sogenannte torrents. Das sind Gebirgsbäche, die nur nach sehr starken Regenfällen Wasser zum Meer führen. Der Torrent de Pareis ist einer dieser Sturzbäche. Wahrscheinlich der eindrucksvollste der gesamten Insel.

Mallorca besteht größtenteils aus Kalkstein. Dieser lässt sich durch Wasser relativ schnell und vor allem bizarr auswaschen und eindrucksvolle Karstformationen entstehen. Der Torrent de Pareis ist ein gutes Beispiel dieser Auswaschung. Im Sommer ist der Gebirgsbach ausgetrocknet. Starke Regenfälle lassen jedoch 15 Kilometer entfernt in den Bergen einen Sturzbach entspringen, der über 600 Höhenmeter zum Meer rauscht und dabei über viele Jahre eindrucksvolle Gräben und Höhlen in den Fels hinterlassen hat.

Die Schlucht endet mit einem Durchbruch zum Meer. Zwischen zwei Felsen, die zu beiden Seiten thronen, findet ihr hier den steinigen Strand, Kiesel, die der Fluss mit sich gerissen und abgerundet hat. Im Grunde ist es die Geröllmündung des Sturzbaches.

Torrent de Pareis: Wandern

Wandern durch den gesamten Canyon

Tipp: Die Königswanderung durch die Schlucht sollte von einem erfahrenen Bergführer begleitet werden. Geführte Wanderungen durch den Torrent de Pareis werden unter anderem hier angeboten.

Torrent de Pareis

Um die gesamte Schlucht des Torrent de Pareis zu durchwandern, werden grob fünf bis sechs Stunden angesetzt. Die Wanderung wird in der Regel von oben, also vom Landesinneren, Richtung Meer durchgeführt und gilt als eine der anspruchsvollsten Touren der Insel. Sie sollte auf keinem Fall ohne Vorbereitung oder allein absolviert werden.

Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, man sollte unbedingt einen erfahrenen Bergführer mitnehmen. Zu oft lese ich in den Nachrichten, dass die Bergrettung erneut ausfliegen musste, weil sie Wanderer überschätzt haben. Für Kinder ist die Durchquerung der Schlucht ungeeignet. Bei organisierten Ausflügen wird ein Mindestalter von 12 Jahren angesetzt. Außerdem sollten alle Wanderer in guter physischer Verfassung und erfahrene Wander sein.

In der Schlucht gibt es zudem keinen Handyempfang und GPS-Signale sind sehr ungenau. Einmal gestartet, kann der Abstieg weder abgebrochen noch abgekürzt werden.

Torrent de Pareis: Wandern mit Kindern

Es muss aber nicht die ganze Schlucht durchwandert werden, um einen Eindruck von der Größe zu bekommen. Für Familien und alle anderen Wanderer, die sich den gesamten Abstieg nicht zutrauen, empfehlen wir vom Meer aus ein wenig in die Schlucht hineinzuwandern.

Dafür startet ihr am Parkplatz in Port de Sa Calobra und lauft die Straße in Richtung Meer. Ihr kommt am Hafen, einem kleinen Strand und mehreren Restaurants vorbei. Der Weg bis zum Felsdurchlass ist gepflastert und Kinderwagen tauglich. Danach ist ein Kinderwagen allerdings nur noch hinderlich.

Durch den Fels in die Schlucht führen eine Reihe von Fußgängertunneln. Diese sind zwar beleuchtet, allerdings funktionieren viele der in den Boden eingelassenen Lampen durch Nässe regelmäßig nicht. Taschenlampen sind trotz allem nicht unbedingt notwendig.

Nach den Tunneln liegt vor euch der Strand Platja de Torrent de Pareis. Zum Wandern haltet ihr euch nach rechts. Die Schlucht ist hier noch sehr breit. Gelegentlich werden kleinere und größere Tümpel passiert, in denen Fische oder Frösche zu entdecken sind. Der Weg ist eben. Größere Felsbrocken können leicht umlaufen werden. Die Wanderung endet, wenn es ohne Klettern nicht mehr weiter geht.

Neben den riesigen Felsen, der den Weg versperrt, ist an dieser Stelle auch ein Hinweisschild aufgestellt, dass vor dem nun folgenden anspruchsvollen Teil warnt. Fitte Personen können selbst hier noch ein wenig weiter in die Schlucht hineinklettern. Irgendwann geht es aber ohne Kletterausrüstung nicht mehr weiter. Zurück geht es auf dem gleichen Weg.

Der Strand Platja de Torrent de Pareis

Das Bild des Strandes ist wohl eines der am meisten geteilten in den sozialen Medien. Entsprechend voll ist es auf dem kleinen und engen Strand. Landläufig sind es Badegäste, die sich gegenseitig aufs Handtuch treten. Vom Meer her ankern zahlreiche Segelschiffe und Boote.

Zudem ist die Nordküste rau und die Strömung hier nicht zu unterschätzen. Wer sich nur schnell abkühlen möchte, kann das tun. Zum Baden würde ich jedoch eher auf den Strand der Cala Tuent ausweichen.

Abstecher: Der Strand von Cala Tuent

Wenn ihr die Serpentinenstraße nach Sa Calobra genommen habt, seht ihr kurz vor Erreichen der Siedlung einen Abzweig nach links, an dem die Cala Tuent ausgeschildert ist. Unter den Mallorquinern ist diese kleine Bucht das eigentliche Highlight der Region.

Zwar ist auch hier der Strand steinig, aber er liegt abgeschiedener und ruhiger direkt am Fuß des Puig Major, dem höchsten Gipfel der Insel. Der Strand ist knapp 200 Meter lang und sehr klar und sauber. Im Gegensatz zu den beiden Stränden bei Sa Calobra, ist der Wellengang in der Cala Tuent meist zu vernachlässigen. Es ist hier um einiges sicherer zum Schwimmen.

Kurz & Knapp

Bustour: Der Linienbus nach Sa Calobra wurde eingestellt. Es waren nunmehr nur noch Ausflugsbusse.

Bootstour: Die Bootstour von Port de Sóller dauert eine Stunde und kann hier reserviert werden.

Geführte Wanderungen: Zur kompletten Durchquerung der Schlucht sollte immer ein erfahrener Bergführer herangezogen werden.

Ausrüstung: Zum Wandern feste Schuhe. Wasser Verpflegung. Badesachen.

Anfahrt mit dem Auto: Die Bergstraße ist nichts für schwache Nerven. Besonders, wenn Reisebusse entgegenkommen.

Parken: Kostenpflichtig. Es wird minütlich abgerechnet. Circa 5 Cent/Minute.

Einkehr: In Sa Calobra gibt es zahlreiche Restaurants, hauptsächlich überteuerte Selbstbedienungsrestaurants.

Baden: Der Platja de Torrent de Pareis und der Platja de Sa Calobra sind nett, aber überlaufen und eng. Zur Abkühlung ok. Für längere Badepausen empfehlen wir die Cala Tuent.

Übernachten: Es gibt in Sa Calobra keine Hotels oder Ferienwohnungen, aber eine einfache Wanderherberge mit Platz für bs zu 12 Personen. Die Herberge kann nur komplett gebucht werden. Weitere Informationen hier.

In der Nähe: Kloster Lluc, Sóller, Valldemossa.

Fotogalerie

Zum Weiterlesen


Schnitzeljagd Palma


Folgt uns auch auf Instagram

Kommentare sind geschlossen.