Tourismus Krise auf Mallorca

Tourismus Krise auf Mallorca

Ha! Ich habe es getan. Einen reißerischen Titel für diesen Beitrag gewählt. In der Hoffnung, dass ihn viele lesen. Überall in den Medien ist von der Tourismus Krise auf Mallorca die Rede. Von Deutschen, die nicht mehr auf der Insel Urlaub machen wollen und leeren Stränden. Es regt mich jedes Mal auf, wenn ich einen Artikel lese, der komplett an unserer Realität vorbeigeht. Wir arbeiten im Tourismus. Wir sind hautnah am Geschehen. Ich an der Rezeption eines Hotels. Mein Mann in einem anderen Hotel in der Gastronomie. Und von einer Krise spüren wir beide nichts. Deswegen hier eine Gegendarstellung.

Rückläufige Besucherzahlen

Bereits im Oktober letztes Jahr bekamen viele Hoteliers auf Mallorca Schnappatmung, als die größten Verbände von einem Rückgang der Buchungszahlen von 20 % für das nächste Jahr ausgingen. Das waren nur Prognosen, aber bereits damals wurde Panik gemacht und der Grundstein für die jetzt herrschende Stimmung gelegt.

Besucherzahlen Mallorca 2009

Hotelbesucher 2009 entsprechend ihrer Herkunftsländer. Quelle.

Gehen wir ein Stück in die Vergangenheit. 2009 war das Jahr, in dem ich in meinen jetzigen Beruf eingestiegen bin. Eine Beschäftigung, die mir Einblicke in viele Bereiche  des Tourismus auf der Insel gibt. 2009 war offiziell ein schlechtes Jahr. Wirtschaftskrise. Immobilienblase. Besucherrückgang. Die Wirtschaft lief mies, aber der Tourismus hielt alle über Wasser. Es kamen damals „nur“ 11.6 Millionen Menschen auf die Insel. Zum Vergleich: 2012 waren 876.000 Einwohner auf Mallorca gemeldet. Schlecht ist etwas anderes. Sowohl ich als auch mein Mann hatten bereits damals viel zu tun. Viele Überstunden, wenig Freizeit, kein Urlaub.

Der Boom

In den Jahren danach ging es stetig bergauf. Jedes Jahr war ein Rekordjahr. Das letzte 2018. Da kamen 13.8 Millionen Besucher auf die Baleareninsel. Ganze 15 Prozent mehr als 2009.

Anzahl Touristen 2019

Anzahl aller registrierten Urlauber in touristischen Einrichtungen. Quelle.

In den Augen der Hoteliers leuchteten Eurozeichen. Sie investierten mit vollen Händen. Modernisierten. Bauten an. Keiner von ihnen kam auf die Idee, dass dieser Aufschwung eventuell nur kurzfristig sein könnte.

Sättigung

Während die Hoteleigentümer mit vollen Händen das Geld ausgaben, schwitzten die restlichen 870.000. Arbeit gab es ja zuhauf. Freiräume kaum noch. Die ersten Stimmen wurden laut, dass man nirgendwo alleine sein konnte. Strände wie die Caló des Moro, die Platz für im besten Falle 20 Besucher hat, wurde täglich von mehreren hundert Tagestouristen überrannt. Anwohner in der Nähe von beliebten Strände hatten mit Autos zu kämpfen, die auf ihren Privatgrundstücken parkten. Wochenmärkte wurden von Einheimischen gemieden, weil sich so viele Touristen hindurch quetschten.

Neben den Stränden, litten aber auch andere Bereiche des täglichen Lebens. Palmas marode Kläranlage kommt an die Grenzen ihrer Kapazitäten, wenn es zu viel regnet. Dann wird die Kloake ins Meer geleitet und Strandabschnitte mit Badeverboten verhängt.

Bleiben wir beim Thema Wasser. Im Sommer regnet es kaum auf Mallorca. Der letzte Winter war zusätzlich extrem trocken. Bereits im Juli schränkten die ersten Gemeinden auf der Insel den Konsum von Wasser ein. Das Trinkwasser darf dann unter anderem nicht mehr zum Gießen, Pool befüllen und Autowaschen verwendet werden. Wer sich nicht daran hält, hat mit Geldstrafen zu rechnen.

Mit immer mehr Touristen werden diese Probleme nicht unbedingt kleiner und die Stimmung nicht besser.

Tourismus Krise auf Mallorca

Wie ist der aktuelle Stand? Die 20 %, von denen nach wie vor gesprochen wird, sind weiterhin nur Prognosen. Wir, die Verantwortlichen der Rezeptionen in den Hotels, schicken monatlich unsere Zahlen an das Statistikinstitut. Die finalen Zahlen werden immer Anfang des Jahres für das Vorjahr bekannt gegeben. Ich kann hier also keine absoluten Zahlen nennen, sondern nur aus meinem persönlichen Umfeld sprechen.

Ja, in vielen Hotels sind weniger Menschen. Was aber auch daran liegt, dass die Reiseveranstalter sich zurückgezogen haben. Manchmal macht es so den Eindruck, als sei das deren Strategie, um die in den letzten Jahren gestiegenen Preise wieder nach unten zu drücken, um ihre Gewinnspannen möglichst hochzuhalten. Aber das ist nur mein persönlicher Eindruck und keine erwiesene Tatsache.

Volle Strände auf Mallorca

Was jedoch Fakt ist: Die Straßen sind voller Mietwagen. Die Strände voller Menschen. Caló des Moro platzt nach wie vor aus allen Nähten. Eine Nachbarin arbeitet in einem Supermarkt und stöhnt jedes Mal, wenn wir sie sehen, weil sie nicht hinterherkommt, Waren in die Regale zu schlichten. Egal zu welcher Uhrzeit oder an welchen Tag man in den Supermarkt fährt, der Parkplatz ist immer voll.

In unserer Nachbarschaft gibt es viele Ferienvermietungen. Während andere Jahre zwischen zwei Belegungen immer einige Tage vergingen, geht es dieses Jahr Schlag auf Schlag. Früh Abreise. Nachmittags Anreise. Tourismus Flaute auf Mallorca: Nein!

Mehr Fluggäste denn je

Während sich die Hotels an rückläufigen Buchungszahlen abarbeiten, vermeldet AENA, die Flughafengesellschaft, die auch für den Flughafen in Palma de Mallorca verwaltet, einen Besucherrekord.

Allein im Juni 2019 wurden 3.8 Millionen Fluggäste transportiert. Das ist kein Rückgang, sondern satte 2.1 % mehr als im Vorjahr. Für das erste Halbjahr 2019 gab es sogar einen Anstieg von fast 6 %. Insgesamt passierten den Flughafen von Palma de Mallorca zwischen Januar und Juni 2019 fast 12.6 Millionen Fluggäste.

Palma Flugstatistik 2019

Transportierte Passagiere in Palma, Juni 2019. Quelle.

Wenn diese Leute nicht im Hotel sind, wo sind sie dann? Wohl vor allem mit dem Auto unterwegs. 2017 fuhren über 1 Million Autos auf Mallorca, mehr als doppelt so viel wie noch vor zehn Jahren. Jeder achte Urlauber auf Mallorca mietet sich mittlerweile ein Auto. Die Verkehrsnetze sind überlastet. Um dem entgegenzuwirken, wird aktuell unter anderem ein weiterer Autobahnabschnitt gebaut. Dafür musste wichtiger Naturraum weichen.

Fazit

Die Arbeitsauslastung in unserer Familie ist wie andere Jahre auch. Wir spüren weder einen Rückgang an Urlaubern noch eine Krise. Meine persönliche Einschätzung ist, dass sich der Tourismus auf Mallorca im Wandel befindet. Weg von Pauschaltourismus in überteuerten Hotels und hin zu individuellen Urlaub in Privatunterkünften. Dafür spricht auch, dass in der Nebensaison mehr Urlauber auf die Insel kommen, zum Beispiel Radsportler und Wanderer. Allein im Januar 2019 waren es fast 20 % mehr als im gleichen Monat des Vorjahres.

Radfahren auf Mallorca

Viele Hotels können sich aber immer noch nicht dazu durchringen, auch im Winter zu öffnen. Was daran liegt, dass sie in den Sommermonaten einfach noch genug Gewinn erwirtschaften, um sich die restlichen Monate freizunehmen.

Mallorca lebt vom Tourismus. Niemand möchte, dass die Urlauber ausbleiben. Allerdings waren es in den Jahren 2017 und 2018 zu viele. Wie 2019 aussieht, wird sich noch zeigen müssen. Weniger Panikmache wäre aber an vielen Stellen angebracht. Hier geht es nicht um Leben und Tod, sondern um eine kleinere Gewinnspanne für eine gierige Lobby.

Falls ihr jetzt denken solltet: „Warum meckert die so gegen den Tourismus auf Mallorca?“ Mache ich nicht. Ich schreibe diese Seiten ja auch, um euch zu animieren die Insel zu besuchen. Bloß halt nicht alle auf einmal. 😉

Steckt der Tourismus auf Mallorca in der Krise?

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