Altstadt Palma de Mallorca: Virtueller Rundgang

Altstadt Palma de Mallorca: Virtueller Rundgang

Ganz Spanien sitzt seit einer Woche zu Hause fest. Die generelle Ausgangssperre bedeutet für uns hier auf Mallorca, dass wir nur noch zum Einkaufen und Arbeiten außer Haus dürfen. Wandern, Spazieren, Schwimmen: All das ist Verboten. Touristen wurden ausgeflogen, alle Hotels geschlossen. Aber davon lassen wir uns nicht beirren. Wir nehmen euch mit auf einen virtuellen Spaziergang durch die Altstadt Palma de Mallorcas. Was uns besonders interessiert sind Tiere und Legenden, die wir auf dem Weg finden. Kommt ihr mit?

Tiere und Legenden in Palma

Der mallorquinische Märchenschatz ist unendlich. Einige der Geschichten stehen in direkten Zusammenhang mit Palma, andere haben sich in anderen Teilen der Insel abgespielt und wir haben sie nur thematisch in die Hauptstadt geholt. Wir erzählen hier sehr viel. Ihr findet die Erklärungen aber auch direkt in der virtuellen Karte auf Google Earth. Wenn ihr wollt, könnt ihr also sofort zur Karte weiterspringen.

1. Die Handelsbörse: Fische

Sa Llotja (Katalan) oder La Lonja (Spanisch) ist die alte Handelsbörse Palmas, eines der schönsten gotischen Gebäude der Stadt. Sie liegt direkt am Meer und war früher der wichtigste Handelspunkt.

Zum Handeln benutzte man damals nicht etwas Gold oder Münzen, sondern Salz und Öl, denn das brauchte man zum Überleben. Gold eignet sich zum Essen genauso gut wie Klopapier.

Altstadt Palma: La Lotja

In der Llotja wurden sicher auch Fische gehandelt. Und das bringt uns zum ersten Tier, dass sich zwar nicht unmittelbar in diesem Gebäude, aber relativ nah im Wasser befindet: den Fisch. Und die Geschichte dazu ist die vom Fisch Nikolas.

Nikolas war ein Junge, der für sein Leben gern im Meer schwamm. Viel lieber als Bücher zu lesen und für die Schule zu lernen. Seine Mutter schimpfte deswegen oft mit ihm. Bis er eines Tages plötzlich Schwimmhäute zwischen Fingern und Zehen bekam und sich in einen Fisch verwandelte. Seitdem schwimmt er im Meer um Mallorca und in den unterirdischen mit Wasser gefüllten Höhlen der Insel und ist sehr glücklich dabei.

Die Kathedrale: Katzen

Die Wasserspeier an der Fassade der Kathedrale sind ein typisches gotisches Element. Sie wurde von König Jaume I in Auftrag gegeben in Folge eines Versprechens, dass er Heiligen Jungfrau während eines Sturmes auf hoher See gegeben hatte.

Die größte Glocke der Kathedrale heißt Eloy und wiegt 4.5 Tonnen. Die kleinste Glocke nennt man Prima (katalanisch: die Schmale). Das bunte Rosettenfenster misst 13.

Kathedrale von Mallorca für Kinder

Aber warum jetzt Katzen? Vor einigen hundert Jahren gab es an der Kathedrale eine Prozession, bei der junge Mädchen Katzen im Arm hielten. Der Ursprung der sogenannten Moixeta ( Katalan: Kätzchen) liegt noch ein wenig länger zurück. Eine Dame aus dem reichen Haus der Can Moix (Katalan: Katze) vererbte ihr Vermögen der Kirche. Mit der Bedingung jedes Jahr eine Prozession für sie abzuhalten. Da die Frau Moix klein war, wurde die Prozession Moixeta genannt und brav jedes Jahr abgehalten. Bis sich keiner mehr so sicher war, warum eigentlich und Katzen mitnahm.

Noch mehr zur Kathedrale in Palma könnt ihr hier nachlesen.

Der Drache im Museum

Wenn ihr an der Kathedrale weitergeht, gelangt ihr an das Diözesanmuseum, das den Besuch der Kirche ergänzt. Es ist eines der ältesten Museen der Insel und stellt hauptsächlich die Geschichte der Kirche, auch auf Mallorca aus. Allerdings durchaus auf moderne Art und Weise und mit vielen interaktiven Elementen.

Das interessanteste Ausstellungsstück ist ein Drache. Der Drac de Na Coca. Er lebte im Mittelalter in der Kanalisation der Stadt, genauer im Viertel La Portatella, ein Stück weiter östlich von wo ihr jetzt gerade seid. Man hörte wie er im Dunkeln durch die Straßen zog, munkelte, dass Kinder aus Erdgeschossen verschwanden und sichtete ihn schließlich auch einige male.

Drache Na Coca

Eines Nachts befand sich der Ritter Bartomeu Coc auf dem Weg zu seiner Verlobten und hörte verdächtige Geräusche. Er sah sich im schwachen Licht der Straßenlaterne dem gefürchteten Drachen gegenüber. In Rittermanier tötete er das Tier mit einem einzigen Schwertschlag. Danach bemerkte er, dass es sich bei dem Drachen um ein Krokodil handelte, dass wahrscheinlich mit einem der Handelsschiffe nach Palma kam und in den Kloaken lebte.

Der Ritter Coc ließ das Tier ausstopfen und schenkte es seiner Verlobten, in deren Privatbesitz es viele Jahre blieb. Bis ein neugieriges Dienstmädchen die Truhe öffnete, in der es aufbewahrt wurde und vor lauter Schreck einen Herzinfarkt erlitt. Danach wurde der Drac de Na Coca dem Museum gespendet, in dem es sich auch heute noch befindet.

Der Dracke Na Coca

Wenn ihr gegenüber des Eingangs zum Museum die Häuserfassaden absucht, werdet ihr an einer Häuserecke die Skulptur eines Krokodils sehen.

Basilika San Francisco: Noch ein Drache

Der erste Stein der Basilika wurde 1232 gelegt. Bis die Kirche stand und die Dekoration an der Fassade angebracht wurden, vergingen einige Jahre. Weniger als das Konvent selbst interessiert uns der Ritter über dem Eingangstor. Er kämpft – ihr ahnt es schon – mit einem Drachen. Weder bei Ritter noch Drachen handelt es sich um die gleichen Gestalten wie am Museum.

Basilika San Francisco

Der Ritter ist der Heilige Georg, Held vieler Legenden überall in Europa. Die katalanische Variante erzählt, dass ein furchtbarer Drache ein Königreich in Angst und Schrecken versetzte. Die Prinzessin des Landes wurde ihm als Opfergabe gegeben. Doch ehe er ihr etwas antun konnte, kam der Heilige Georg auf seinem weißen Pferd zu Hilfe und tötete das Untier. An der Stelle, wo das Blut des Drachen den Boden berührte, wuchsen rote Rosen, die der Ritter der Prinzessin schenkte.

Jedes Jahr im April wird der Namenstag des Heiligen Georgs gefeiert. Dabei schenkt man seinen Liebsten Rosen und Bücher. Warum das so ist, könnt ihr hier noch ein wenig ausführlicher nachlesen.

Das Rathaus: Schnecke, Drache, Fledermaus

Am Rathaus in Palma gibt es so viel zu entdecken, dass ich gar nicht weiß, womit ich anfangen soll. Mittig befindet sich an der Fassade eine Steinbank.  Die Bank der Faulen, denn wer sich früher hier hersetzte, hatte nichts zu tun. Und wenn die Sitzenden gefragt wurden, warum sie nicht arbeiteten, antworteten sie: „Ich würde ja, wenn mir der Rücken nicht wehtäte.“ oder „Ich würde ja, wenn es nicht regnen würde.“ Diese Ausreden drückt man im Katalanischen mit „Sí no fos“ aus. Und genau diesen Namen bekam die Bank: Sínofos. Die Ausreden der Müßiggänger.

Rathaus Palma: El Cort

Über dem Fenster prangt das Stadtwappen Palmas mit der Fledermaus, die ganz am Anfang ein Drache war. Schon wieder? Ja, die edlen Herren. Der König von Aragón, der die Insel eroberte, hatte auf seinem Helm einen Drachen, der ihn größer erscheinen ließ. Zusammen mit den Farben Kataloniens wurde daraus das Wappen der Stadt und durch die Interpretation eines Künstlers eine Fledermaus.

Wappen Stadt Palma

An der linken Eingangstür finden sich weitere Verzierungen. Wer genau hinsieht, entdeckt  eine Schnecke und noch einen Drachen. Das sind die Unterschriften der Architekten: Jaume Caragol (Schnecke) und Francesc Dragó (Drache).

Bevor wir weitergehen, werfen wir noch einen schnellen Blick ins Innere des Rathauses: Dort stehen die beiden Riesenfiguren Tòfol und Francinaina. Sie werden bei Festumzügen durch die Stadt getragen.

Basilika Sant Nicolau

Diese Kirche wurde in verschiedenen Baustilen erbaut. Laut der Legende betete die Heilige Katharina am Felsstein an der Fassade. Sie durfte nicht in das Kloster eintreten, weil sie keine Mitgift hatte. Als sie schließlich zugelassen wurde, läuteten die Glocken der Kirche, ohne menschliches Zutun.

Tiere gibt es an dieser Stelle nur im Inneren zu sehen. Und dann auch nur, wenn ihr ganz genau hinschaut. An den Säulen der vorderen Seitenaltäre findet ihr eine kleine Eidechse und eine Schnecke. Ahnt ihr warum?

Auch hier hießen die Architekten Caragol und Dragó. Letzterer kann auf Mallorquin auch als Eidechsenart gelten.

Der Schildkrötenbrunnen

Zwischen der Avenida Jaime II, Paseo del Borne und Calle Unión befindet sich seit mehr als 300 Jahren ein zentraler Platz. Früher war er der Königin Isabel II gewidmet, jetzt dem König Juan Carlos I.

Der Brunnen besteht aus einem Obelisken, der aus Marés gefertigt wurde, dass auch zum Bau der Kathedrale zum Einsatz kam. Der Obelisk steht auf vier bronzenen Schildkröten. Auf der Spitze sitzt eine bronzene Fledermaus. Warum? Wer hat aufgepasst?

Schildkrötenbrunnen

Die Fledermaus ist das Wappentier Palmas, aber nicht nur, weil ein Künstler zu faul war, einen Drachen daraus zu machen. Jaume I, der Mallorca zurückeroberte, betete vor einem seiner Kämpfe zur Heiligen Jungfrau, damit diese ihn unterstützte. Es passierte zunächst nichts. Dann kam eine Fledermaus, die sich auf die Köpfe der Gegner setzten, die einer nach dem anderen starben. Die Fledermaus ist also ein Symbol der Hoffnung.

Und die Schildkröten? Der Schriftsteller Robert Grave, den wir auf Erkundungstouren durch Deià begegnen werden, meinte, dass die mallorquinische Gesellschaft so langsam sei wie eine Schildkröte. Er bezog sich dabei jedoch auf das Mallorca der 1930er Jahre. Also kommt nicht auf die Idee, das den Mallorquinern heutzutage ins Gesicht zu sagen.

Virtueller Rundgang durch die Altstadt Palma

Um den virtuellen Rundgang durch die Altstadt von Palma gehen zu können braucht ihr auf euren Telefonen Google Earth. Auf dem PC lädt es sich selbst, dauert jedoch eine Weile. Prinzipiell läuft der Rundgang in der App flüssiger, als auf dem Computer.

Zum Starten auf die Karte klicken. Viel Spaß!

Altstadt Palma de Mallorca: Virtueller Rundgang

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