Welttag des Buches und die Legende von Sant Jordi

Welttag des Buches Weltbuchtag Mallorca Dia de Sant Jordi

Illustration von Virinia Chavira via menutsgirona.cat

Wenn ich mich als Nicht-Katholik für einen Heiligen entscheiden müsste, wäre es wahrscheinlich Sant Jordi, der Heilige Georg. Anders als bei den meisten Heiligenfesten, bei denen Krawall und Dämonen das Sagen haben, geht es beim Diada de Sant Jordi ruhig und besinnlich, fast schon romantisch zu. Die Hauptrolle spielen Bücher, Blumen, ein Ritter, eine Prinzessin und ein Drachen. Wenn das die Fantasie nicht in Fahrt bringt, dann weiss ich auch nicht mehr.

Der gierige Drache

In einer Region in Montblanc (Tarragona) lebte ein Drache, der die Luft vergiftete und das naheliegende Königreich terrorisierte. Regelmässig opferten die Einwohner zwei Lämmer, um den Hunger des Drachen zu stillen und ihn davon abzuhalten, das Dorf anzugreifen.

Jedoch wurden die Tiere knapp, und man entschied sich, stattdessen Menschen zu opfern. Diese wurden durch das Los gewählt. Irgendwann traf es auch die Prinzessin des Königreiches. Trotz ihres edlen Blutes musste auch sie sich in die Krallen des Drachen begeben.

Welttag des Buches und der Heilige Georg, Drachenbekämpfer.

Wie sie so ihrem Schicksal ergeben in der Höhle auf ihr Ende wartete, kam ihr der Ritter Jordi, Georg, zu Hilfe. Er rammte sein Schwert in den Körper des Drachen und tötete ihn. An der Stelle, an der das Blut auf die Erde tropfte, wuchs ein Rosenstock mit den rotesten Rosen, die die Welt je gesehen hatte. Der edle Ritter pflückte eine und übergab sie der Prinzessin.

Aus Dankbarkeit wollte der König den Ritter mit Reichtümern überschütten. Jedoch war Jordi nicht nur mutig, sondern auch bescheiden. Statt die Belohnung für sich zu behalten, teilte er sie mit dem gesamten Volk. So viel Edelmut dankte man ihm, indem man eine Kirche ihm zu Ehren errichtete. Wenn man der Legende glaubt, sprudelte darin eine Quelle, die alle Krankheiten heilen konnte.

Die Legende von Sant Jordi

Der Heilige Georg kommt in vielen Sagen und Geschichten vor, auch außerhalb Spaniens. Es gibt kaum eine Nation oder Region, die nicht in irgendeiner Form die Heldentaten des Ritters für sich beansprucht. Die historischen Angaben zu seiner Person sind lückenhaft und möglicherweise ausschließlich legendär. Er ist der Schutzpatron zahlreicher Länder, Städte, Familien und Ritterorden und in regionalen Varianten einer der beliebtesten Vornamen Europas.

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Die Drachenlegende gibt es in verschiedenen Varianten auch anderswo in Europa. Die mallorquinische Überlieferung ist eng an die katalanische Legende angelehnt, in der der Drache zwar mit der Bevölkerung koexistierte, aber regelmäßige Opfer forderte.

In einem mallorquinischen Kinderlied heißt es auch, dass man versuchte den Drachen zu zähmen, und ihn Obst und Gemüse anbot, um ihn zum Vegetarier umzuerziehen. Bei uns zu Hause ging es ohne Unterbrechung vom Ohrwurm der Jaia Corema zu dem Monster mit zwei Hörnern, dem Monstre de Banyoles, wie der Drache auch genannt wird.

Wo auch immer der Ursprung liegen mag, bei den mallorquinischen Kindern ist die Legende von Sant Jordi sehr präsent und wird in Schulen und Kindergärten weitergegeben und erzählt.

Der Welttag des Buches

Noch bevor die UNESCO den Welttag des Buches auf das gleiche Datum wie den Georgstag legte, wurde in Katalonien bereits 1923 die Verbindung zwischen Büchern und dem 23. April hergestellt. Ein valenzianischer Schriftsteller wollte damit Miquel de Cervantes ehren, dem Kopf hinter der Erzählung des Don Quijote. Dieser starb am 23. April 1616. Erst 1995 legte die UNESCO den 23. April als Welttag des Buches fest. Denn auch Shakespeares Tod und der anderer Schriftsteller jährt sich an diesem Datum.

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Shakespeare und Cervantes teilen sich im übrigen nicht nur den Todestag, sondern auch das Todesjahr, den 23. April 1616. Kurioserweise sind sie jedoch nicht am selben Tag verstorben. Spanien und England nutzten damals unterschiedliche Kalender. Cervantes starb 10 Tage vor Shakespeare.

Bücher und Rosen

Bereits im 16. Jahrhundert feierte man in den katalanisch-sprechenden Regionen den Georgstag als „Tag der Rose“. Pärchen und einander nahestehende Personen beschenkten sich gegenseitig, vorrangig mit den roten Blumen. Der Valentinstag des Südens. Die Damen erhalten rote Rosen, wie damals die Prinzessin. Die Herren bekommen ein Buch in Gedenken an den größten Schriftsteller Spaniens.

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Sowohl Katalonien, als auch die Balearen und Valencia feiern den Día de Sant Jordi. In den Straßen der größeren Städte werden Büchertische aufgestellt, an denen die Buchhandlungen ihre Ware verkaufen. Die Bibliotheken laden zu Veranstaltungen und Lesungen ein und Schulen schenken ihren Schülern Bücher. Im Rahmen des Tages werden weit über eine Million Bücher verkauft.

Drachen kommen bei den Feierlichkeiten nicht zu Schaden.

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