Halloween auf Mallorca: Nit de ses Animes

Halloween kennt jeder. Vom Tag der Toten, der in Mexiko besonders intensiv gefeiert wird, hat man vielleicht schon einmal etwas gehört. Den  Tag der Seelen kennt kaum einer. Noch nicht einmal die Mallorquiner. Dabei handelt es sich doch um das ursprüngliche Halloween auf Mallorca. Verschiedene kulturelle Institutionen bemühen sich seit einigen Jahren, dem traditionellen Fest wieder den Raum zu verschaffen, den es verdient. Und da ich mich auch schon ziemlich mallorquinisch fühle, mache ich da einfach mal mit. Beim „Mallorquinisieren von Halloween.“

Nacht der Seelen - Halloween auf Mallorca
Foto via fundaciocasamuseu.cat

Die Nacht der Seelen

Früher war es auf Mallorca am Vorabend von Allerheiligen, also am 31. Oktober, üblich, mit Anbruch der Dämmerung ein Licht im Haus anzuzünden. Dieses Licht sollte den Verstorbenen den Weg weisen.  Denn sie kehrten für diese eine Nacht in das Haus zurück, in dem sie zu Lebzeiten wohnten. Als Lichtquellen dienten üblicherweise Kerzen, die in Krügen oder ausgehöhlten Früchten der Jahreszeit plaziert wurden. Zum Teil wurden Feuer vor dem Haus angezündet. Der Tisch wurde mit einem zusätzlichen Teller gedeckt und es wurde ein extra Bett bereitet und die Bettdecke aufgeschlagen, für den Fall dass der Verstorbene sich ausruhen wollte. Es wurde gut gegessen, aber auch darauf geachtet, dass dem, der kommen würde, noch etwas übrig gelassen wurde. Wer den Film Coco kennt, dem wird das alles sehr bekannt vorkommen.

Halloween auf Mallorca

In den ländlichen Gebieten Mallorcas war es zudem Brauch, dass die Jugendlichen auf den Glockenturm stiegen, und dort die Nacht verbrachten, nur mit einigen Kerzen. Der Glöckner, der dort auch die Nacht und den gesamten darauffolgenden Tag mit dem Läuten der Glocke verbrachte, erzählte ihnen Geschichten und aß mit ihnen Bunyols.

Mit der Globalisierung und dem Einzug des amerikanisch-geprägten Halloweens wurden die Spektakel immer größer und entfernten sich mehr und mehr von der eigenen, mallorquinischen Tradition. Es vermischten sich Elemente. Zum Beispiel die Kürbisköpfe, die für (das amerikanische) Halloween genauso charakteristisch sind, wie für die (mallorquinische) Nacht der Seelen. Schon in den alten Zeiten schnitzten und verzierten die Mallorquiner sie und nutzten sie als Laternen in der Nacht. Aus dem Fruchtfleisch stellte man außerdem Marmelade her, das Cabello de Àngel (Engelshaar).

Allerheiligen und Allerseelen

Halloween oder die Nacht der Seelen ist jedoch im Grunde nur eine Einleitung auf die Tage, die danach kommen. Der 1. November ist weithin bekannt als Allerheiligen. Der Tag an dem universell alle Heiligen gedacht wird. Traditionell besuchte man an diesem Tag die Gräber der Verstorbenen und schmückt sie mit Blumen.

Halloween auf Mallorca
Illustration via Melicotó

Erst am 2. November geht es wieder um die eigenen Verstorbenen. Im deutschen Sprachraum ist dieser Tag als Allerseelen bekannt, im spanischen nennt man ihn den Tag der Toten. Besonders intensiv wird dieser Tag in Lateinamerika gefeiert. In Mexiko werden zum Día de los Muertos Mahnwachen auf den Friedhöfen abgehalten. Es gibt ein spektakuläres Angebot an Speisen und Blumenarrangements auf den Gräbern der Verstorbenen. Das Fest ist geprägt von einer freudigen Natur. Die Menschen ehren ihre verstorbenen Verwandte. Deren Leben, das Leben allgemein gefeiert. Familie steht im Vordergrund.

Traditionelle Speisen

Mallorca auf Mallorca

Wie jedes Fest, gibt es auch bei der Nit de ses Ànimes charakteristische, mallorquinische Spezialitäten, die eine Verköstigung wert sind. Den Anfang macht der Rosario Ensucrat. Dabei handelt es sich um einen Rosenkranz, der speziell für Kinder gedacht ist. Er besteht nur aus Süßigkeiten. Pralinen, Bonbons, getrockneten Früchte. Aufgefädelt auf einem Band sehen sie fast wie ein Rosenkranz aus. Großeltern schenken die gezuckerten Rosenkränze zu Allerheiligen ihren Enkelkindern, Eltern ihren Kindern und Paten ihren Patenkindern.

Auf dem Spesieplan stehen auch gezuckerten Rosenkränze, Bunyols, Panellets, eine Art Marzipanbrötchen mit Mandeln, und Pa de Mort genannt. Das Totenbrot. Im Mittelalter war es Brauch, dieses als Beigabe in die Gräber zu geben. Außerdem wurde zu Allerheiligen Brot als Almosen an die Bedürftigen gegeben. Dieser Brauch und auch das Verschenken der Rosenkränze ist gegenwärtig leider ein wenig in Vergessenheit geraten.

Die Rolle der Kinder

Eine wichtige Rolle sowohl bei Halloween als auch bei dem Tag der Seelen auf Mallorca spielen die Kinder. Sie haben naturgemäß ein anderes Verhältnis zum Tod als Erwachsene. Und darum geht es in den Tagen, egal wie man das Fest nennt und auf welchen Teil der Erde man es feiert. Alle Bräuche haben eine Sache gemeinsam: Sie stellen eine spielerische Art dar, um Kindern den Tod nahe zu bringen. Es geht darum, Traditionen zu pflegen und den Tod als Teil des Lebens zu akzeptieren. Am Ende ist Halloween nicht nur „Süßes oder Saures“ . Es geht vor allem um die Familie, wie auch Miguel aus dem Film Coco es ganz treffend zusammenfasst. Und wer den Film jetzt immer noch nicht gesehen hat, sollte das schnellstens nachholen.

Ein Großteil der Information für diesen Beitrag stammt von fundaciocasamuseu.cat. Die Illustrationen sind von Melicotó.

Das Veranstaltungsprogram zur Nacht der Seelen findet ihr hier.

 

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