Die Kathedrale von Mallorca: La Seu

Wenn man sich nur eine einzige Sache auf Mallorca ansehen könnte, welche wäre das? Auf die gesamte Insel bezogen ist diese Frage ziemlich gemein. Schränken wir das ganze etwas ein und stellen sie für die Inselhauptstadt. Da ist die Antwort ist da schon einfacher: La Seu – Die Kathedrale von Mallorca. Spektakulärste Sehenswürdigkeit und Wahrzeichen der Stadt, vielleicht sogar der gesamten Insel. Aber ist der Besuch der Kathedrale auch etwas für Kinder? Ich denke schon.

Kathedrale Palma de Mallorca - La Seu - Mallorca für Kinder
Foto via Facebook vom Malwettbewerb 2018

An die Bedürfnisse der Kinder angepasst

Wichtig bei Ausflügen mit unseren Kindern ist immer, dass wir genau ankündigen, was wir vorhaben. „Wir besuchen eine Kirche“ stößt eventuell nicht so auf Begeisterung. „Wir besuchen eine Kirche in der bunte Lichter tanzen, Knochen toter Menschen liegen und danach gibt es ein Eis“ klappt da schon eher. Je nach Interessen der Kinder kann man das ja etwas variieren. Aber der Reihe nach.

Die Kathedrale von Mallorca liegt direkt am Meer. Einzig eine Parkanlage, der Parc de la Mar, liegt zwischen ihr und dem Wasser. Die Parkanlage eignet sich bestens zum Toben. Etwas weiter ostwärts liegt ein großer Spielplatz. Dort kann man vor dem Besuch der heiligen Mauern alle überschüssige Energie loswerden. Also die Kinder, nicht ihr!

Die Kathedrale von Mallorca

La Seu, Katalanisch für der Sitz (gemeint ist der, des Bischofs), ist voller Geschichten und Legenden. Alles fing damit an, dass 1229 Jaume I auf seiner Überfahrt vom Festland in Seenot geriet. Er sollte die Insel von den Mauren befreien, fürchtete aber bereits auf der stürmischen See um sein Leben. In seiner Angst schwor er zu Gott, die größte Kirche der Welt zu bauen, sofern er die Überfahrt und den anstehenden Kampf überlebte. Jaume I blieb am Leben und legte den Grundstein auf dem Sockel einer Moschee. Deswegen zeigt das Gotteshaus jetzt auch nach Mekka und nicht nach Jerusalem.

Der Bau der Kathedrale wurde schließlich von Jaume II, dem Sohn Jaume I, angeordnet. Er sollte über 300 Jahre dauern. Im Innenraum wurde sogar  bis in das 20. Jahrhundert hinein gearbeitet. Der Bau selbst war eine einzige Katastrophe. Die Säulen waren zu schwach, die Decke stürzte ein. Ein Erdbeben (1851), ein Unwetter (1906) und eine Fliegerbombe (1936) machten immer wieder kaputt, was mit viel Mühe aufgebaut wurde. Hinzu kam, dass die privilegierte Lage direkt am Meer zwar schön, der Bau dadurch aber auch allen Wetterlagen schutzlos ausgeliefert war. Das Marés, der berühmte Kalkstein, aus dem die Kirche gebaut wurde, zeigt heute viele Narben.

Die Kathedrale des Lichts

Ein besonderes Spektakel findet jedes Jahr am 2. Februar und 11. November satt. Immer dann steht die Sonne genau so, dass die Sonnenstrahlen durch die Rosette auf der Ostseite auf die gegenüberliegende Seite unter die Westrosette projiziert wird. Das sieht dann aus wie eine Acht. Das Zeichen der Unendlichkeit. Zusätzliche Bedeutung erlangt das ganze noch dadurch, dass es bei den Tagen um Ehrentage zweier Heiliger handelt. Die Kathedrale wird zu beiden Anlässen extra früh geöffnet, dann die magische Acht ist genau um 8.30 Uhr komplett. Der Eintritt ist in der Regel bei dieser Gelegenheit frei.

An allen anderen Tagen muss man ein Eintrittsgeld bezahlen. Ironischerweise am Armenportal, an dem früher die Menschen um Almosen bettelten. Durch das Museum gelangt man in das Innenschiff der Kathedrale, die auch ein bedeutendes Mausoleum beherbergt. In dem liegen die Knochen der Könige Jaume II bis III. Es finden sich auch Reliquien anderer Heiliger. Aber das interessiert Kinder in der Regel eher nicht.

Wimmelbilder im Altarraum

Begeistern kann man den Nachwuchs dagegen sicher für den Hauptaltar. Der wurde von Antoni Gaudí entworfen. Der Großteil des Gebäudes ist gotisch geprägt, besonders die Wasserspeier und Spitzbögen. Wenn man genau hinschaut und sich dafür interessiert, entdeckt man aber auch Elemente aus der Renaissance und dem Barock. Um die modernen Elemente zu erkennen muss man kein Kunstexperte sein.

Kathedrale von Mallorca für Kinder

Neben Gaudí ist es vor allem der Beitrag des zeitgenössischen, mallorquinischen Künstlers Miquel Barceló, der ins Auge sticht. Seine Interpretation der Vermehrung von Brot und Fischen aus dem Jahr 2007 ist ein Hingucker. Ein Wimmelbild für Eltern und Kinder. Die Keramikarbeit enthält afrikanische und mediterrane Elemente und jede Menge marine Flora und Fauna. Durch das besondere Lichtspiel in der Kirche entsteht darüber hinaus ein Unterwassereffekt.

Auf den Dachterrassen der Kathedrale

Wer Lust und bereits ältere Kinder hat, kann zwischen April und Oktober über 215 Stufen auf die Dachterrassen der Kathedrale von Mallorca steigen. Von dort oben hat man nicht nur einen atemberaubenden Panoramablick über das Meer und die Stadt, man kann auch durch die Rosettenfenster ins Innere des Gebäudes lunzen und die Spitzbögen und Glockentürme aus der Nähe bewundern. Bei dieser Gelegenheit entdeckt man auch zahlreiche Schnitzereien und Graffitis von Menschen, die am Bau der Kirche beteiligt oder während Krieg und Belagerung in ihr untergebracht waren.

Zum Abschluss einen Snack

Ging es am Anfang nicht auch um Eis? Das gibt es in der Kathedrale von Mallorca natürlich nicht. Aber gleich um die Ecke. Und da eure Kinder sicher den Besuch über alle brav waren, haben sie sich am Ende auch eine kleine Belohnung verdient. Nur 600 Meter zu Fuss von der Kathedrale entfernt findet ihr das Traditionscafé Ca’n Joan de S’Aigo. In barockem Interior und mallorquinischen Ambiente kann man dort sehr gutes hausgemachtes Eis essen, oder bei schlechterem Wetter eine Tasse heisse Schokolade trinken. Auch die Ensaimadas lohnen einen Blick.

Kurzinfo

Öffnungszeiten: Die Kirche kann ganzjährig besucht werden. Zu den Messen ist der touristische Besuch nur eingeschränkt möglich. Das Museum und die Diözese sind an Feiertagen und Sonntagen geschlossen. Detaillierte Information gibt es hier für die Kathedrale und hier für das Museum.

Eintrittspreise: Für den Besuch der Kathedrale und des Museums wird für Erwachsene und Kinder zur Zeit 7,- Euro verlangt. Kinder unter 11 Jahren bezahlen nichts. Der Besuch der Dachterrassen und der Kathedrale kostet 12,- Euro. (Stand August 2018). Dafür ist eine Voranmeldung notwendig. Jüngere Kinder können aus Sicherheitsgründen nicht am Besuch der Dachterrassen teilnehmen.

Speziell für Kinder: Besonders interessant sind die Buntglasfenster mit vielen Geschichten und Figuren. Wasserspeier und mythische Figuren an der Aussenfassade regen die Fantasie an. In der Kapelle des Allerheiligsten gibt es Fische und Totenköpfe aus Keramik zu bestaunen.

Kinderwagen: Außer auf den Dachterrassen ist der gesamte für Touristen zugängliche Bereich barrierefrei.

Sonstiges: WCs im Kreuzgangbereich. Fotos außerhalb der Messen möglich, jedoch nur ohne Blitz.

Spielplatz: Ein schöner, moderner Spielplatz in der Parkanlage Parc de la Mar.

Eis Essen: Ca’n Joan de S’Aigo.

Veranstaltungen: Sofern für unsere Seite relevant, findet ihr die Veranstaltungen der Kathedrale hier. Eine komplette Liste der Veranstaltungen findet ihr auch auf den Internetseiten der Kathedrale.

La Seu im Web: catedraldemallorca.orgFacebook

Fotogalerie

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