Wandern: Piratenturm am Cap de Andritxol

Wenn das Wetter schlechter wird, werde ich unruhig und will etwas unternehmen. Meine Kinder lassen sich zwar leicht zu Ausflügen animieren, etwas Überzeugung braucht es aber immer. Am besten lassen sie mit Eis und Schokolade bestechen übereden. Und mit abenteuerlichen Geschichten von Piraten. Bei einem Ausflug zum Piratenturm vom Cap de Andritxol geht es um Letzteres.

Andratx Piratenturm Cap de Andritxol

Unser erster Versuch, den Piratenleuchturm in der Nähe von Andratx zu besuchen, ging jedoch schief. Wir verliefen uns so schlimm, dass wir am Ende wie Bergziegen an den Felswänden hingen und aus Verantwortungsbewusstsein unseren Kindern (und dem Hund) gegenüber, zum Strand Caló d’en Monjo krabbelten, ohne den Piratenturm gesehen zu haben. Der zweite Versuch klappte besser.

Andratx Piratenturm Cap de Andritxol

Claudia Schiffer und die Piraten

Der Torre del Cap de Andritxol wurde Ende des 16. Jahrhunderts errichtet. Er liegt 180 Meter über dem Meer und auf einem Grundstück, das bis 2006 Claudia Schiffer gehörte. Sie war es, die den Turm umfangreich restaurieren ließ. Allerdings handelte es sich dabei wohl um eine Auflage, ohne die der Kauf der Ländereien grundsätzlich nicht möglich gewesen wäre. Bevor es soweit kam, ließ sie jedoch erst einmal ihr Grundstück großflächig umzäunen. Dadurch war der  Turm nicht mehr direkt zu erreichen und viele der ursprünglichen Wanderwege abgeschnitten. Was genau da im Hintergrund ablief, kann man schwer sagen. Am Ende verkaufte Schiffer das Anwesen wieder, ehe es bezugsfertig war, und die Wanderwege waren wieder offen.

Andratx Piratenturm Cap de Andritxol

Mallorca liegt genau mittig im westlichen Mittelmeer. Aufgrund dieser Lage war es in der Geschichte immer von strategischem Interesse, sowohl kommerziell als auch militärisch. Besonders im 16. und 17. Jahrhundert fanden ständig Angriffe statt. Um dieser Herr zu werden, wurden die Wachtürme gebaut. Deren Hauptziel war es zunächst die Horizonte zu überwachen und Alarm zu schlagen. Aber die Türme an vorderster Linie waren auch so konstruiert um mit stärkeren Strukturen eine Abwehr gegen Invasoren zu ermöglichen.

Zwischen Pinien und Piratenköpfen

Wir starteten unseren Familienausflug in Cala Fornells, einem kleinen, relativ touristischem Örtchen mit vielen engen Straßen. Es ist sehr leicht von der Schnellstraße MA-20 (Abfahrt 23) zu erreichen, die Palma mit Andratx verbindet.  Wenn man den gesamten Ort durchquert, gelangt man irgendwann automatisch auf einen holprigen, mit Pinien umgebenen Parkplatz. [Oder auf dem Grundstück des Hotels Cala Fornells. Dort seid ihr falsch!]

Andratx Piratenturm Cap de Andritxol

Direkt am Parkplatz steht eine große Karte, von der ihr euch aber nicht abschrecken lassen müsst. Der Wanderweg, der darauf eingezeichnet ist, führt nach Camp de Mar, auf der anderen Seite der Halbinsel. Den Weg den wir genommen haben, und den ich euch empfehle, ist deutlich kürzer. Und, wie ich bereits in der Einleitung geschrieben habe, gar nicht so leicht zu finden. Obwohl mein großer [der beim zweiten Versuch keine Lust mehr auf Cliffhanger hatte, und die Reiseleitung übernahm] bereits an der ersten Weggabelung einen Holzpfeiler mit Piratenkopf entdeckte . Danach führten Blutstropfen [aka rote Farbtupfer] zum Piratenturm. Wir verstehen immer noch nicht, warum wir uns verlaufen haben?

Piratenturm am Cap de Andritxol

Das Besondere am Piratenturm vom Cap de Andritxol ist, dass sich neben dem Turm einige Baracken befinden, die aus dem 17. Jahrhundert stammen. Einer Zeit, in der Piratenangriffe nicht mehr so intensiv stattfanden. Diese Barraques dels Torrers, die Kasernen der Turmwächter, dienten als Wohn- und Lagerraum.

Andratx Piratenturm Cap de Andritxol

Der Turm selbst kann nicht betreten werden. Was auch etwas schwierig wäre, denn der einzige Eingang befindet sich mehrere Meter über dem Boden und war zu seiner Zeit nur über eine Leiter zu besteigen. Das erhöhte die Schutzfunktion erhöhte, führte allerdings auch dazu, dass mein Jüngster jetzt meint, dass sei der Turm von Rapunzel.

Für die ganz Starken

Wer möchte kann vom Piratenturm weiter an den Zipfel der Halbinsel laufen. Jedoch wird der Weg dorthin immer unkenntlicher und steiniger. Die Aussicht aufs Meer auf Höhe des Turmes ist bereits sehr spektakulär. Man muss sich den Weg nicht unbedingt machen, wenn die Kinder eventuell schon etwas angespannt sind.

Andratx Piratenturm Cap de Andritxol

Der Ausflug dauert, wenn man sich nicht allzu lange beim Turm aufhält, maximal 90 Minuten. Auf dem Rückweg kann man einen Abstecher zum Strand der Caló d’en Monjo machen, oder auf der Terrasse des Hotels in Cala Fornells einen Kaffee trinken und Eisschulden einlösen.

Ein Tipp noch am Ende:

Sucht diesen unscheinbaren Pfeiler mit Piratenkopfaufkleber. Noch bevor ihr zur Caló d’en Monja gelangt, gabelt sich der Weg. Ihr müsst dem Pfeiler nach. Sonst landet ihr wie wir an den Felswänden. Der Weg zum Turm ist steinig, aber nicht schwer. Feste Schuhe sind angebracht. Kinderwagen hinderlich.

Kurzinfo

Parken: Hinter dem Hotel Cala Fornells beginnt ein kleiner Pinienwald. Die Fläche ist holprig, aber als Parkplatz angedacht.
Kinderwagen: ungeeignet.
Schwierigkeit: ziemlich leicht. Es muss an einigen Stellen etwas gekraxelt werden, aber sofern man sich auf den gedachten Pfaden hält, ist diese Strecke auch für kleinere Kinder geeignet. Festes Schuhwerk.
Restaurants: Im Ort Cala Fornells. Auf der Strecke keinerlei Infrastruktur.
Zum Weiterlesen: Die Gemeinde Calvía hat eine Broschüre herausgegeben, in dem diese Wanderung, allerdings mit einer alternativen, längeren Wanderroute, besprochen wird.

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